Ich übernachtete im Wald.
Dass es selbst hier im Süden langsam Winter wurde, konnte man überall spüren.
Die Farben der Blätter an den Bäumen veränderten sich und es faszinierte mich.
In meiner Heimat gab es fast ausschließlich Bäume mit Nadeln. Die Nadeln blieben das ganze Jahr lang grün – auch im Winter.
Doch hier im Süden war es eine ganz andere Sache.
Hier im Süden jedoch bewunderte ich jedes Mal aufs Neue die Farbpracht der Blätter.
Sie wechselten von Grün auf Rot, Braun und Gelb. Und dann fielen sie herab.
Immer, wenn ich im Süden war, liebte und hasste ich es.
Man war im Wald weniger geschützt.
Man konnte nicht mehr so gut schleichen, da jeder Schritt ein Geräusch auslöste.
Doch ich liebte das Geräusch, mit den Schuhen die Blätter zum Knistern zu bringen.
Es klang fast wie das Prasseln eines Feuers.

Ein schmaler Lichtstrahl brach durch die Wolkendecke und durch die Kronen der Bäume.
Ich setzte meinen Weg durch den Wald fort.
Wohin ich wollte, wusste ich nicht. Ich hoffte nur, dass Odin mich irgendwohin bringen würde, wo alles gut war. Eine Taverne, wo es ruhig war. Irgendwo, wo ich nicht kämpfen musste, wo keine Orks herum liefen, vor denen ich mich fürchten musste.
Als ich meine Falle erreichte, musste ich feststellen, dass sie schon wieder leer war.
Schon wieder nichts gefangen.
So langsam begann ich, daran zu zweifeln.
Zwar hatte mir die Falle schon Kupfer und sogar Silber eingebracht, doch nicht mit dem, wofür die Falle eigentlich gemacht war.
Seufzend nahm ich sie wieder an mich und setzte meinen Weg fort.

Bald stand die Sonne schon hoch am Himmel und erinnerte mich daran, dass ich nun schon einen halben Tag unterwegs war.
Wo wollte ich überhaupt hin?
Wenn ich eine Taverne finden wollte, musste ich den Weg finden, bei dem der Wald weniger dicht war.

Es dauerte eine Weile, bis ich zu einer Lichtung kam.
Eine Lichtung, die mir sogar bekannt vorkam.
Das musste die Halbinsel Moordorf sein.
Hier gab es sogar eine Taverne. Ich hatte mich also zu Recht auf Odin verlassen.
Und bis auf einen Nurgle-Anhänger, der uns einmal vergiftet hatte, war hier noch nichts Schlimmes passiert.
Keine Kämpfe. Keine Dämonen. Keine Portale oder Schatten.
Also genau das, was ich mir gewünscht hatte.
Hier konnte ich essen, trinken und wieder zu Kräften kommen.

Während ich die Lichtung überquerte, hörte ich aus dem nahegelegenen Wald Geräusche.
Knacken und Rascheln.
Ein Tier? Ein Mensch?
Ich wusste nicht, was von beidem mir lieber war.
Doch ich konzentrierte mich erst einmal auf den Weg, der vor mir lag.
Natürlich mit gezogener Waffe.

Während ich also die Lichtung weiter überquerte, fiel mir in der Ferne eine Person auf, die in einen schwarzen Umhang gehüllt war.
Ich war froh, dass ich bereits meine Waffen in der Hand hielt.
Als ich näher kam, wand sich die Person zu mir um. Vermutlich hatte sie meine Schritte gehört. Ich war auf alles gefasst.
„Anastasya?!“
Nur darauf nicht.
Die Stimme war bekannt.
„Lynx!“
Ich war froh, dass sie hier war.
Und sie schien sich auch darüber zu freuen, dass ich hier war.
Wir liefen gemeinsam weiter, doch ich erzählte ihr von dem Rascheln der Blätter im Wald.
Ich hielt es für eine gute Idee, nachschauen zu gehen.
Also folgte Lynx mir in den Wald.
Es war immer besser, zu zweit unterwegs zu sein. Das hatte ich aus der Vergangenheit gelernt.

Wir sahen uns im Waldstück um. Zunächst sahen wir nichts. Doch bald bemerkte ich einen Umriss, der ganz leicht aus den übrigen Farben des Waldes hervorstach.
Und auch die Person, die sich dort befand, bemerkte, dass wir sie bemerkt hatten und bewegte sich.
Erst jetzt erkannten wir, dass es keine fremde Person war, sondern Breeg.
Was machte er nur hier?

„Ich war müde. Ich habe geschlafen.“, erklärte er uns.
„Tagsüber? Ist nicht beste Idee.“, erwiderte ich und sah in den Himmel. Es würde bald schon wieder dunkel werden. Die Tage wurden spürbar kürzer.

Gemeinsam liefen wir aus dem Wald heraus in Richtung der Taverne von Moordorf.
Wir hofften, uns dort ein wenig ausruhen zu können.

Auf dem Weg in Richtung der Taverne sahen wir auf einmal eine weitere Person schlafen.
Ich erkannte ihn sofort. Es war Tahn. Und er hielt einen Apfel in seiner Hand.
Allein der Apfel war Zeichen genug, dass es sich um Tahn handeln musste. Aber auch seine Kleidung mit der seltsamen, weißen Kopfbedeckung war ziemlich einprägsam.

Er lag alleine auf diesem großen Baumstumpf.
Mitten auf der weiten, offenen Lichtung.
Manchmal frage ich mich, ob er lebensmüde ist.
„Wir müssen ihn wecken.“, überlegte ich laut und sah fragend zu den anderen beiden.
Ich wusste nicht, wie er reagieren würde, immerhin hatte ich noch die Erinnerung an das Phönixnest, an dem er Lynx einfach geschlagen hatte, als sie ihm helfen wollte.
Was würde also passieren, wenn wir ihn jetzt weckten?

Wir überlegten kurz, dann übernahm Breeg und weckte ihn. Lynx und ich gingen etwas auf Abstand.
Tahn erwachte und klagte über Schmerzen an seinem Rücken.
Natürlich beschuldigte er sofort uns.
„Wir haben nichts gemacht.“, beteuerte ich. „Solltest du nur nicht mitten auf Lichtung schlafen. Ist gefährlich.“
Er sah sich verwirrt um.
„Ich glaube ich bin von da gekommen.“, erklärte er und zeigte scheinbar wahllos in eine Richtung. Er wirkte ganz so, als wisse er gar nicht, wo er ist.

Er erhob sich langsam und murrte dabei immer mehr über seinen schmerzenden Rücken.
Als er uns den Rücken zudrehte, bemerkten wir auch, warum er über diese Schmerzen klagte.
Sein weißer Gambeson war am Rücken voll mit Blut. Und offen. Kaputt.
„Was hast du gemacht?“, fragten wir ihn schockiert.
Er drehte sich wieder zu uns um und schrie vor Schmerzen laut auf.
„Wie? Was habe ich gemacht?“
„Am Rücken!“
Tahn versuchte jetzt, den Kopf so zu drehen, dass er seinen Rücken sehen konnte.
Natürlich gelang ihm das nicht.
Stattdessen tat er sich nur noch mehr weh.
„Tahn, nicht machen!“, ermahnte ich ihn und versuchte, ihn festzuhalten, damit er sich nicht noch mehr verletzen konnte. „Ich denke, du musst Oberteil ausziehen, damit wir schauen können, was ist.“
Ich setzte mich auf den Boden. Meine Beine taten etwas weh von der langen Reise.
Lynx tat es mir gleich und setzte sich neben mich.
Tahn musterte mich und grinste etwas.
„Was? Du willst mich ausziehen?“
„Njet.“, gab ich zurück. „Aber wir müssen Oberteil ausziehen und du kannst nicht, eh?“
Er versuchte es und musste feststellen, dass es schmerzte und dass ich Recht hatte.
Doch als auch Breeg, der noch stand, keine Anstalten machte, Tahn zu helfen, erhob ich mich wieder.
„Dann komm her.“, murmelte ich und half ihm, seinen Gambeson über seine Schultern zu ziehen, ohne, dass er sich übermäßig viel bewegen musste.
Als ich dann seinen Rücken sah, wusste ich, dass wir einen Heiler brauchten.
Eine große Narbe war zu sehen, aber es sah nicht richtig aus. So, als wäre etwas nicht versorgt worden und falsch zusammen gewachsen. Was war ihm nur widerfahren?
„Tahn. Wir stützen dich und gehen zur Taverne.“, entschied ich dann. „Deine Sachen nehmen wir mit.“

Er konnte sich nicht widersetzen, immerhin waren wir zu dritt.
„Was ist seit Taverne in Anrea nur passiert?“, fragte ich ihn dann, während wir ihn stützten und in Richtung Taverne gingen.
„Taverne in Anrea…?“, wiederholte Tahn und schien, als hätte er es schon wieder vergessen.
„Da. Wir haben bei diesen Zeitungs-Schreibern gestanden. Und dann Schnaps getrunken.“, versuchte ich ihn zu erinnern.
„Ja… Ja genau! Da war diese Frau. Der Schnaps war gut!“
Er erinnerte sich also doch noch.
Immerhin.
„Und was ist dann passiert?“
Er konnte es mir nicht sagen.

Bald erreichten wir die Taverne.
Doch es sah anders aus.
Ein großes Zelt stand auf der Wiese und auf der anderen Seite war ein kleiner Karren, der mir bekannt vorkam. Woher nur?
Wir sahen uns kurz um. Viele bekannte Gesichter, doch das war erst einmal nebensächlich.
Wir liefen den Weg hinab.
„Wir brauchen einen Heiler!“, riefen wir mehrmals, doch zunächst wurde niemand auf uns aufmerksam.
Erst, als wir schon unten an den Zelten waren, schlug uns Jemand vor, zu Aikikia zu gehen und ihren Rat anzuhören.

Als sie die Verletzung sah, schlug sie genau das vor, was ich die ganze Zeit gedacht hatte: Aufschneiden, reinigen, verbinden. Mehr konnte man wohl nicht machen.
Sie überreichte mir eine Phiole.
„Dann schreit er nicht so.“, erklärte sie mir und grinste kurz. Dann setzte sie sich wieder, denn sie schien hier etwas zu verkaufen.
Ich gab Tahn die Flüssigkeit zu trinken und bat dann Lynx um ihren Dolch.
Meinen hatte ich irgendwo verloren.

Tahn murmelte, dass er sich seltsam fühle. Das Mittel von Aikikia schien zu wirken.
Zusammen mit ein paar umstehenden Personen drehten wir ihn auf den Bauch, um besser an seinen Rücken heran zu kommen.
Ich schnitt also die Wunde wieder auf und schüttete Metka herein, um die Wunde zu reinigen.
Von ihm kam kein Mucks. War er nun komplett betäubt?
So konnten wir uns immerhin um ihn kümmern, ohne, dass er uns schlug.

Also öffneten wir ihm seine Verletzungen, wuschen sie aus und verbunden sie neu.
Aikikia beobachtete unser Handeln und gab uns zwischendurch Hinweise, wenn wir etwas irgendwie besser machen konnten.
Bald waren wir fertig und Tahn erwachte langsam wieder.
Wie immer war er verwirrt und wusste nicht, wo er war oder was passiert war.
Immerhin erkannte er uns.
Natürlich dachte er wieder, dass wir ihm die Verletzungen zugefügt haben.
Aber nach einer Weile verstand er, dass wir nicht die Schuldigen waren.
Wir gaben ihm sein Hab und Gut wieder, sorgten aber dafür, dass er dort sitzen blieb.

„Anastasya?“, rief mich Jemand. Ich sah auf. „Hier ist Jemand, der Euch kennt und mit Euch sprechen möchte.“
Kurz blickte ich zu Tahn, dann zu Lynx, doch sie schien alles im Griff zu haben.
Also erhob ich mich und folgte dem Mann, der mich gerufen hatte.

Er brachte mich zu einem Mann mit langem Haar, einer Lederrüstung und einer blauen Gugel.
„Hallo Anastasya.“, begrüßte er mich.
Warum kam mir seine Stimme so bekannt vor?
Und wieso wusste ich dennoch nicht, wer er war?
„Hallo… Ich… glaube, ich kenne Euch?“, erwiderte ich fragend.
Ich war mir nicht sicher.
„Ja. Ich war dabei in der Taverne in Anrea… Ich habe Euch festgehalten, als dem, der Euch vorher festgehalten hat, der Arm abgetrennt wurde.“, erklärte er mir.
Ich musterte ihn und dachte darüber nach.
Deswegen kannte ich wohl nur die Stimme.
Ich hatte ihn gar nicht gesehen.
Es war dunkel gewesen und er hatte beinahe auf mir gelegen, um mich festzuhalten.
Ich nickte.
„Dann habe ich Euch auch schon beim letzten Mal auf der Taverne gesehen.“, überlegte ich. „Eure Stimme… habe ich dort schon gehört.“
Er nickte.
„Ihr habt Euch dort mit … sehr seltsamen Personen umgeben. Da wollte ich nicht zu nahe kommen.“, gab er zurück.
Seltsame Personen?
„Ihr meint Chaos?“, fragte ich. „Ist lustig. Sie waren die Einzigen, die helfen wollten.“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein. Diese Leute machen nichts ‚einfach so‘ oder aus reiner Menschenliebe.“, erklärte er. „Da solltet Ihr wirklich vorsichtig sein.“
„Niemand hilft einfach so.“, antwortete ich trotzig. „Aber sie haben mich wenigstens nicht aufgehalten, im Gegenteil.“
Ich funkelte ihn an und er wich sofort etwas zurück. Wahrscheinlich unwillkürlich.
„Ich finde sie nett. Darf ich nicht zu netten Leuten gehen?“, fragte ich dann.
„Doch, aber…. Ich werde Euch im Auge behalten.“
Ich zuckte mit den Schultern und entfernte mich von ihm.
Sollte er mich doch im Auge behalten. Es war meine Entscheidung, was ich tat.
Er sollte mir bloß nicht noch einmal im Weg stehen.

Ich lief zurück und setzte mich wieder zu Tahn und Lynx.
Neben uns saß nun ein anderes Wesen. Es hatte Fell, sah aber ganz lieb aus.
Ich kam mit dem Wesen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass es sich um einen weiblichen Fuchs handelte. Um einen Fuchs, der ein ganzes Rudel von weiteren Füchsen anführte.
So unterhielt ich mich eine Weile mit dem Fuchs. Allem Anschein nach wurde sie von Jemandem gefangen genommen, der seltsame Experimente an ihr durchgeführt hatte, wodurch sie nun irgendwie anteilig ‚menschlich‘ geworden war.
Ich bedauerte den Vorfall und hoffte, dass sie die beiden Fuchspfoten an meinem Lederwams nicht entdeckte. Nach wie vor war ich eine Jägerin und würde immer eine sein.

Bald gesellte sich eine weitere Person zu uns. Ich hatte sie schon öfter gesehen und ich erinnerte mich auch an ihren Namen. Yara.
Sie setzte sich zu uns und wieder einmal faszinierte mich der Turban, den sie trug. Genau wie bei dem Mann mit dem Hammer fragte ich mich jedes Mal, wie genau das funktionieren sollte.
Kurz fragte sie, was mit Tahn passiert sei und woher die Verletzung kam.
Da niemand von uns genau wusste, was war, stellte sie nur fest, dass sie ihn von der Taverne in Anrea kannte. Er wollte sie mit einem Apfel bewerfen.
Eine scheinbar vollkommen natürliche Reaktion von Tahn.
Ich schüttelte lachend den Kopf und passte weiterhin auf, dass er sich nicht zu viel bewegte.
„Wenn Wunde wieder aufgeht bin ich böse. Das möchtest du nicht.“, drohte ich ihm und setzte dann das Gespräch mit Yara fort.
Auch Breeg war wieder zu uns gekommen. Er saß neben mir auf dem Boden.

Als Tahn auf einmal auf mich zeigte und irgendetwas stotterte, was ich nicht verstand, sah ich mich um. Breeg lief weg. Ich blickte zu den Taschen an meinem Gürtel. Etwas war anders. Der Runenbeutel, er fehlte.
Sofort erhob ich mich und rannte los.
„Brauchst du Hilfe?“, rief Yara mir hinterher, doch ich hatte keine Zeit, darauf zu reagieren.
Auf dem steilen Wegstück, das hinauf in den Wald führte, holte ich ihn ein.
„Breeg, was soll das?“, stellte ich ihn zur Rede und riss ihm den Beutel wieder aus der Hand. „Was willst du mit meinen Runen?“
Er blieb mir der Antwort schuldig.
Wütend wand ich mich um und lief zurück.

Ich entschied mich, mich etwas umzuschauen.
In dem Zelt waren verschiedene Händler und so trat ich ein.
Ich traf auf Batras, den Alchemisten und Feoh, seine Reisegefährtin.
Es war gut, sie zu treffen und ich wollte mich etwas bei ihren Waren umschauen.
Sie hatten sehr viel Alchemistisches auf ihrem Tisch ausgebreitet.
An einem anderen Tisch erblickte ich Wotan, den Ledermeister. Auch er bot seine Ware an und arbeitete gleichzeitig an neuen Lederwaren.
Ich sah kurz zu ihm, widmete mich dann aber wieder Batras.
Tahn und Lynx waren mittlerweile aufgestanden und wollten sich auch die Waren anschauen.

Sie beide boten viel Interessantes an, doch ich brauchte nichts und beschloss so, mir mein Kupfer und Silber aufzubewahren. Das Einzige, was mich interessierte, war der Schnaps, den sie uns zeigten. Ich gab ihnen zwei Kupfer und sie gaben mir dafür etwas von einem Schnaps, den sie „Gletschereis“ nannten. Der Schnaps schmeckte wirklich so, wie er hieß. Kalt, aber sehr lecker. Es erinnerte mich an meine Heimat. Dort, wo fast immer Schnee lag.
Wann ich wohl wieder dort sein würde?
Ich wusste es nicht.

Auch Tahn war interessiert an einem der Schnäpse und so probierte er den anderen Schnaps, den sie „Himmelsfeuer“ nannten. Er nahm einen Schluck und bot mir ebenfalls einen Schluck an. Dankend nahm ich an und probierte auch das. Es tat seinem Namen alle Ehre – es brannte. Und es war gut.

Ich wurde auf meine Runen angesprochen und darum gebeten, einmal mit Feoh zu sprechen.
Es verwirrte mich etwas, doch es schien ganz so, als würde meine Hilfe benötigt. Also ging ich auf sie zu und fragte sie, was los sei.
Sie erzählte etwas von Bäumen, die sich bewegen und die man wohl „Ent“ nannte. Und von dem Blut von diesen. Das Blut eines Ents solle man nicht trinken.
Es verwirrte mich nur noch mehr, doch dann zeigte sie mir ihren rechten Arm.
Schockiert stellte ich fest, dass dort Holz war anstelle eines Arms. So, als würde ein halber Baum aus ihr heraus wachsen.
„Was… wie?“, fragte ich und starrte sie mich weit aufgerissenen Augen an. So etwas hatte ich noch nie gesehen.
„Ent-Blut.“, erklärte sie leise und ich verstand langsam, wieso sie mir von Ents erzählt hatte.
Da war wohl etwas schief gelaufen.
Sie fragte mich, ob ich diese Entwicklung irgendwie stoppen könne.
Ich dachte darüber nach.
Wenn es in Odins Willen war, dann würde ich sicherlich helfen können.
„Ich denke ich brauche etwas Zeit für Vorbereitung, aber ich kann helfen. Wenn wir uns bald wiedersehen?“, fragte ich und dachte schon darüber nach, wie man das Problem angehen könnte. Ich dachte über meine Runen nach. Mir würde schon noch etwas einfallen.
Sie stimmte zu uns so verließ ich das Zelt der Händler bald wieder.

Draußen traf ich wieder auf Breeg. Ich musste ihn noch wegen der Runen zur Rede stellen.
„Ich verstehe das nicht.“, erklärte er. „Wie kann das funktionieren… Mit einem Gott? Oder…mehreren Göttern?“
Er wirkte so verunsichert.
Dabei hatte Odin ihm doch schon gezeigt, dass er ihm helfen konnte.
Odin hatte ihn von dem Feuer erlöst.
Hatte er das etwa vergessen?
Wieso zweifelte er noch immer?
„Du hast doch durch meine Runen erfahren, dass Odins Kraft echt ist.“
Ich fühlte mich etwas müde und setzte mich auf den Boden, an die Mauer gelehnt.
Breeg setzte sich neben mich. Er schien es nicht zu verstehen.
Also nahm ich meinen Runenbeutel aus der Tasche.
Es gibt so viele Bedeutungen. So viel, was Odin mir mit den Runen sagen möchte.
So viel, was ich mit diesen Runen bewirken kann.
Ich nahm eine Rune nach der anderen aus dem Beutel, zeigte sie Breeg und erklärte, was die Rune bedeutete.
Bald gesellte sich auch Tahn zu uns und hockte sich neben mich auf den Boden.
„Hä? Was ist das?“, fragte er und blickte verwirrt zu den Runen in meiner Hand.
Ich versuchte, es ihm zu erklären.
„Ah. Äh? Diese… Magie?“, fragte er. Er schien es nicht zu verstehen. Doch wer verstand schon, was genau Magie wirklich war und wie sie funktionierte.
Ich versuchte, ihm etwas dazu zu erklären.
„Odin gibt seine Kraft in diese Runen, damit ich sie nutzen kann.“
Doch es half Tahn nicht. Vermutlich verwirrte es ihn nur noch mehr.
Also ging ich wieder dazu über, die Runen einzeln aus dem Beutel zu holen, um Breeg und Tahn die Bedeutung zu erklären.
Ich wurde immer müder und beschloss bald, mich hier in Moordorf schlafen zu legen.
Am nächsten Tag würde ich noch immer weiterreisen können.


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