Die Reise zur Taverne

Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns herab.
Je weiter wir liefen, desto weniger Schatten gab es auf den Wegen. Ich wurde langsam müde und hatte meinen Mantel bereits auf meinem Rücken befestigt.

„Süden ist viel zu warm.“, beschwerte ich mich.
„Zurück nach Falkenhain?“, fragte Tahn mich mit großen Augen.
Ich schüttelte den Kopf. Jetzt waren wir schon so weit gekommen, jetzt würde ich nicht wieder umdrehen. Außerdem würden wir ein paar Tage brauchen, um zurück in Falkenhain zu sein.
Und wenn wir wieder im Wald schliefen, würde das Tahn unzufrieden machen.

Bald tauchte in der Ferne ein Gebäude auf und es waren Stimmen zu hören. Unser Weg durch diese Hitze hatte hoffentlich bald ein Ende.

Wir näherten uns dem Gebäude – es war umgeben von Wiesen, auf denen Zelte standen. Unzählige Menschen tummelten sich dort. Ob wir hier jemanden kannten?

Ich beschloss, dass wir uns einfach umsehen würden. Bisher hatten uns die meisten Leute freundlich empfangen, daher machte ich mir keine großen Sorgen.

Wir liefen an einigen Tischen vorbei, an denen Menschen saßen, die mir nicht bekannt vorkamen. Sie wirkten nicht sonderlich in Aufruhr als sie uns sahen, also waren sie offenbar friedlich.

Wiedersehen mit Freunden

Auf der Wiese hinter den Tischen erblickte ich dann ein Zelt, das mir bekannt vorkam – das Zelt von Batras und Feoh. Ich freute mich, dass sie da waren und lief direkt zu ihnen.
„Die kennen wir.“, sagte ich zu Tahn. Er sah mich überrascht an.
„Ja?“
„Da, das sind Batras und Feoh.“, erwiderte ich.
Er sah nicht so aus, als wüsste er sofort, wen ich meinte. Aber spätestens, wenn er sie sah, würde es ihm sicher wieder einfallen.

Ich stellte mich zu Batras und begrüßte ihn. Es war schon eine Weile her, seit ich ihn zuletzt gesehen hatte. Ihm und Feoh schien es ganz gut zu gehen, Feoh bot Tahn eine Schale mit verschiedenem Essen an. Er nahm natürlich den Apfel.
Dann erzählten sie von einigen schrecklichen Dingen, die sich in diesem Land ereigneten.

Neue Gefahren

Bei diesem Ort handelte es sich um die Akademie zu Nyestadt, die mit dem Kaiserreich Vahrym verbündet ist. Ich dachte an den Wolkenturm und daran, dass wir schon lange nicht mehr dort waren, und fragte mich, wie es meinen Freunden dort wohl im Moment ging.

Batras erzählte von den Schrecken, die sich in Nyestadt breitgemacht hatten: Von lebendig-gewordenen Vogelscheuchen, die gegen die Bauern kämpfen bis hin zu menschengroßen Insekten, deren Gift dafür sorgte, dass man nicht mehr aufhörte zu bluten.

Ich hörte ihnen mit großen Augen zu. Wie furchtbar! Obwohl es so warm war, lief es mir eiskalt den Rücken herunter.

Batras war damit beschäftigt, verschiedene Dinge zu analysieren. Da gesellte sich der Schweinebauer Paul zu uns. Ich erinnerte mich schwach an ihn – vor einer gefühlten Ewigkeit hatte ich ihn mal in Moordorf getroffen.

Feoh kam auch dazu und ich stellte noch ein paar Fragen über die Insekten. Wir versuchten herauszufinden, was dieses Gift bezwecken sollte. Was für einen Zweck hatte ein Gift, das Menschen und Tiere langsam ausbluten ließ?

Wir überlegten, ob genau das der Zweck dahinter ist. Vielleicht wollten sich diese Insekten damit nur verteidigen.
Feoh erzählte auch, dass die Insekten ein Territorium hatten, dass nicht betreten werden sollte. Wahrscheinlich wollten sie dieses nur beschützen.

Ein Mann in gelb-schwarzer Kleidung kam auf uns zu, unterhielt sich mit Batras und sah mich anschließend lange an. „Kennen wir uns?“, fragte er mich.
Ich schüttelte den Kopf, weil er mir nicht bekannt vorkam.

„Ich behalte Euch im Auge.“, erwiderte er und ging wieder.
Verwirrt blickte ich ihm nach.
„Batras, kennst Du den Mann?“, fragte ich ihn.

Er nickte und nannte mir seinen Namen und erklärte, dass er vom Orden der Hammertreuen sei. Auch dieser Name sagte mir nichts und ich äußerte meine Bedenken, weil er mich so seltsam angesprochen hatte.

Batras schüttelte den Kopf.
„Ach, der Mann kennt Euch nicht und ist hier öfter im Land. Er ist sicher nur vorsichtig.“
Das klang vernünftig, also beschloss ich, mir darum vorerst keine Gedanken zu machen.

Die Leute unterhielten sich weiter über die Insektenwesen und die Vogelscheuchen. Sie waren sich nicht sicher, was sie als nächsten tun sollten, waren sich aber auch einig, dass sie nicht einfach nur herumsitzen konnten.

Tahn und ich legten uns erstmal in den Schatten und ruhten uns etwas aus. Die Wanderung war anstrengend und die Sonne hatte uns ganz schön zugesetzt.
Tahn holte etwas zu trinken und brachte ein paar Zeitungen mit. Sie erinnerten mich an die NeHemarer-Zeitung und ich beschloss, den Journalistos die Zeitung bei unserem nächsten Treffen zu zeigen.

Auch in der Zeitung wurde von den Vogelscheuchen berichtet. Dadurch, dass die Bauern nicht mehr auf ihre Felder kamen, wurde eine Hungersnot ausgelöst. Das Kaiserreich Vahrym war ihnen zur Hilfe geeilt und hatte in einer Nacht mehrere Säcke eines mir unbekannten Nahrungsmittels geliefert, was laut Batras Aussage eine Ähnlichkeit mit Reis hatte.

Der Beschreibung nach klang es so, als hätte Lord Cecil mitgeholfen. Mich freute es, indirekt von ihm zu lesen, weil ich ihn schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte. Aber das musste ja bedeuten, dass er wohlauf war.

Später sprach ich Batras darauf an und er bestätigte mir, dass es ihm gut ging, aber er auf eine Insel Vahryms versetzt wurde, um dort den angehenden Kriegern das Kämpfen beizubringen.
Da er gut im Kämpfen war, würde er sicher auch ein guter Lehrer sein.

Insekten-Wesen

Wenig später kam Kafei zu uns und fragte, ob ich ihm helfen würde, Batras zu helfen.
Als ich fragte, worum es ging, erklärte er, dass Batras Gift von den Insekten brauchte, um ein entsprechendes Gegengift herzustellen.

Mir war gar nicht wohl bei der Sache, aber ich verstand die Notwendigkeit und willigte schließlich ein.

Am Ende würde es allen helfen und vielleicht fanden wir ja einen Weg, ohne selbst verletzt zu werden. Wichtig war, dass wir ein paar Männer oder Frauen mit Schilden hatten, die uns abschirmen konnten. Ich wollte nichts von dem Gift abbekommen und ich wollte auch nicht, dass Tahn verletzt wurde.

Auch Felagund, der Elf, schloss sich uns an. Er hatte zwar nur ein kleines Schild bei sich, aber das war besser als nichts. Außerdem hatte er Pfeil und Bogen dabei und konnte aus der Ferne aushelfen. Ich ärgerte mich, dass ich meine Bärenfalle in Falkenhain gelassen hatte. Damit hätte ich sicherlich auch ein Insekt in Menschengröße fangen können.

Wir diskutierten noch mit „Fuchs“, einer Frau, die ein Fuchsfell auf dem Kopf trug. Sie sagte, dass die Insekten-Wesen friedlich waren, solange man nicht ihr Territorium betrat. Doch da die Menschen sich zu oft hineingewagt hatten, waren sie aggressiv geworden und fingen an, die Leute auch außerhalb ihres Revieres anzugreifen.

Ich seufzte. Wie so oft waren die Leute nicht vorsichtig genug gewesen. Wahrscheinlich hätte Schlimmeres verhindert werden können, aber dafür war es wohl zu spät.

Sie gab uns auch den Hinweis, dass die Insekten-Wesen gerne Obst mögen. Tahn holte seinen Apfel, ich nahm noch etwas Käse mit.

Einer unserer Mitstreiter sagte, dass er mit Runen ein Schild zaubern könne. Ich hörte aufmerksam zu und fand die Idee beeindruckend. Kurz überlegte ich, ob ich das auch irgendwann einmal lernen könnte, doch der Mann nutzte andere Runen als ich. Ich würde das also selbst herausfinden müssen.

Kafei erklärte mir, dass er mich vor allem mitnehmen wollte, weil ich gut Spuren lesen konnte. Ich war überrascht, dass sich genau dieses Detail bei den meisten eingebrannt hatte – entweder meine Orientierung im Wald oder das Lesen von Spuren. Dabei kam es meistens auf die Art des Waldes und die Art der Spuren an… Was für Spuren machen Riesen-Insekten überhaupt?

Er erklärte sie als eine Art Riesen-Heuschrecke. Heuschrecken fraßen Gräser… Ich würde also nach abgefressenen Stellen Ausschau halten.

Unser Mitstreiter mit dem Runen-Schild erklärte, dass er mit Hilfe von Tränken mehr sieht als wir wahrnehmen können und so bot er sich an, die Spuren für uns zu suchen.

Kafei verzauberte unsere Waffen, damit sie stärker gegen die Insekten sein würden. Hoffentlich würde es helfen. Dann ging es los.

Auch Fuchs begleitete uns, weil sie den Weg kannte. Sie sagte aber, dass sie die Erste sein würde, die wegrennen würde, wenn wir uns näherten. Das war in Ordnung für mich, solange wir so zu unserem Ziel kamen.

Wir liefen über einen Weg, der erst einen kleinen Hügel hinaufführte und anschließend an einem Feld vorbei. Dort waren Büsche und Bäume links und rechts von uns und ich versuchte, mich auf beide Seiten zu konzentrieren, um nicht einem Hinterhalt zum Opfer zu fallen.

Fuchs führte uns weiter, dann sagte sie schließlich: „Da ist die Grenze zu ihrem Territorium.“
Sie deutete auf den Weg vor uns und als wir uns näherten, sahen wir mehrere Gräser, Sträucher und Holz. Offenbar markierten sie damit ihr Gebiet.

Pläne schmieden

Bevor wir nun die Grenze übertreten würden, schlug ich vor, ihnen das Essen anzubieten. Wir legten es auf ein Stück Stoff und dann genau hinter die Grenze, ohne sie zu übertreten.
Ich war angespannt als wir warteten, doch es regte sich nichts.
Der Mann mit dem Runen-Schild sagte, dass er sie immer noch fressen hört, sie sich aber nicht bewegt hatten. Sein Trank half ihm scheinbar mit allen Sinnen. Ob Batras so etwas auch herstellen konnte und ob es bei mir auch wirken würde? Ein bisschen fürchtete ich mich allerdings auch davor – wie schlimm musste es sein, alles sehen, hören und riechen zu können… Vielleicht war es ganz gut, dass ich das nicht konnte.

Wir warteten noch eine Weile, doch es regte sich nichts. Also beschlossen wir, ihr Gebiet doch zu betreten. Schritt für Schritt gingen wir voran und hielten Ausschau. Ich beobachtete die Bäume und Büsche um uns herum genau. Dann sahen wir sie in der Ferne am Wegesrand stehen. Sie waren menschengroß mit langen Klauen. Genau diese Klauen brauchten wir, weil darin das Gift steckte.

Mir war gar nicht wohl bei der Sache und unser Plan kam mir mit jedem Augenblick fragwürdiger vor.

Der Mann mit dem Runen-Schild schlug vor, dass er mit dem Essen vorgeht, um es den Wesen anzubieten. Wenn es schlecht lief, sollten wir wegrennen.
Gesagt, getan. Er lief los. Wir beobachteten das gespannt. Ich hoffte nur, dass alles gut gehen würde.

Die Insekten näherten sich ihm und sahen ihn genau an. Ich blieb kampfbereit.

Er wurde angegriffen. Was nun? Er ging zu Boden, die Klauen hatten ihn getroffen. Schockiert stellte ich fest, dass wir in so einem Fall gar keinen Plan hatten, wie wir ihn da wieder rausholen würden.
Ich blickte Felagund an. Vielleicht konnte er helfen.
Ich nahm den Beutel mit den Verbänden, den Feoh und Batras uns gegeben hatten.
„Felagund! Lauf durch Wald und versuch, zu ihm zu kommen. Dann Du kannst ihn verbinden und wir lenken Insekten ab.“, sagte ich zu ihm.

Er nickte und bahnte sich seinen Weg durch den Wald. Die Insekten folgten ihm nicht, sondern uns, also rannten wir. Sie folgten uns. Kafei wollte, dass wir kämpfen, um an die Klauen heranzukommen. Irgendwann blieben wir also stehen und versuchten, ihnen die Klauen abzuschlagen. Es gelang nicht. Meine Axt und mein Schwert waren definitiv zu kurz für so einen Kampf. Ich wollte nicht vergiftet werden.
„Bringt nichts“, rief ich. „Sehe ich nicht einmal einen Kratzer in Klauen.“
Und das, obwohl wir die Klauen mehrere Male getroffen hatten.
„Lasst uns laufen. Wir müssen Hilfe holen.“
Damit nahmen wir die Beine in die Hand und rannten los. Wir konnten nur hoffen, dass Felagund sicher bei dem Mann ankam.

Als ich bei Fuchs ankam, erklärte ich ihr kurz, was passiert war. Sie war in einigem Abstand zu der Reviergrenze der Insekten stehengeblieben.
„Müssen wir Hilfe holen.“, erklärte ich auch ihr und sie nickte. Ich drehte mich um und sah, dass Tahn und Kafei wieder angefangen hatten, zu kämpfen. Wieso?! Wütend schrie ich sie an, dass sie zurückkommen sollten und genau in dem Moment wurde Tahn getroffen.

Ich würde es nicht schaffen, ihn allein zu retten, denn Kafei schien auch schon verletzt worden zu sein. Also rannte ich los.

Auf der Suche nach Hilfe

Ich rannte, bis meine Lungen brannten. Der Weg zurück war unglaublich weit und als ich ankam, tat mir alles weh. Doch ich hatte keine Zeit, um eine Pause einzulegen. Nach Luft schnappend hielt ich Ausschau nach Batras. Zum Glück stand er direkt am ersten Zelt.
„Batras…“
Er sah mich direkt an. „Oh, Anastasya, seid Ihr verletzt?“
„Njet, ich nicht, aber andere… Wir müssen sie retten.“
Das Sprechen fiel mir schwer, weil ich immer weiter nach Luft rang.
„Wir brauchen einen Rettungstrupp.“, entschied Batras und lief los. Ich setzte mich auf den Boden, um Kraft zu sammeln. Hoffentlich ging es Tahn gut.

Der Mann vom Orden der Hammertreuen hatte das auch gehört und lief ebenfalls los. Eine Frau kam zu mir und reichte mir ein Glas Wasser.
„Danke!“, erwiderte ich und trank schnell. Es tat gut. Meine Kehle brannte.

Wenig später kam eine große Gruppe von Kämpfern zu mir. Der Mann vom Orden der Hammertreuen war ebenfalls dabei. Offenbar war dies jener Orden. Ich war dankbar und erleichtert, dass sie mir so schnell zur Hilfe kamen.
„Anastasya, könnt Ihr sie dorthin führen?“, fragte Batras.
Ich nickte. „Da, mache ich.“
Dann liefen wir los.

Die Anführerin forderte ihre Leute auf, in Zweierreihen zu laufen und ein Auge auf die Büsche und Bäume links und rechts zu haben. Sie beeindruckte mich mit ihrer Durchsetzungskraft. Eine starke Frau. Ich ging zu ihr und erklärte ihr, welche Personen wir wo verloren hatten.

Wir liefen los und erreichten bald den Ort. Tahn und Kafei standen am Weg und hielten sich die Verbände an die Wunden. Wie hatten sie es geschafft, den Insekten-Wesen zu entfliehen? Ich sah sie mit großen Augen an. Von den Insekten weit und breit keine Spur.
„Wie…?“, fragte ich mich laut, als mich auch die Mitglieder des Ordens fragend anschauten.
„Die sind weg, glaube ich.“, erwiderte Tahn.
Wir sahen uns um. Keine Wesen in Sicht, aber vielleicht versteckten sie sich irgendwo.
Ich war so damit beschäftigt, mich umzusehen, dass ich nicht mitbekam, wie der Streit ausbrach. Als ich zurückschaute sah ich, wie der Orden der Hammertreuen sich um Kafei versammelt hatten und die Anführerin mit ihm stritt. Wie war das passiert? Dabei waren sie doch gekommen, um ihn zu retten? Was hatte diesen Streit entfacht?

Der Orden lief los und ich rief ihnen meinen Dank hinterher. Was war nur vorgefallen? Ich hoffte, dass sie mir nicht böse waren, weil sie mitgekommen waren und doch nicht gebraucht wurden.
Ich war ihnen unglaublich dankbar für ihre Hilfe. Ohne sie hätte ich nicht gewusst, was ich als nächstes hätte tun sollen, um meine Freunde zu retten. Ich würde mich auf jeden Fall bei ihnen bedanken, sobald wir sicher zurück bei der Taverne waren.

Wunden versorgen

Ich brachte Tahn direkt zu Batras und gab ihn dort ab. Er wollte sich um die Wunde kümmern.
Paul kam dazu und fragte, ob er auf die Wunde pinkeln sollte.
„Njet! Ist offene Wunde, nicht gut.“, erwiderte ich.
„Bist Du seine Mutter?“, fragte er. „Wenn Du seine Mutter bist, lasse ich es. Müttern soll man nicht widersprechen.“
Ich beließ es dabei. Es schien hilfreich zu sein, wenn er das dachte.

„Ihr kommt kurz klar ohne mich, da?“
Damit erhob ich mich, kramte etwas aus meinem Münzbeutel und lief zu dem Zelt, bei dem der Orden der Hammertreuen saß.

Als ich mich näherte, drehten sie sich um und sahen mich an.
„Will ich mich entschuldigen und bedanken.“, sagte ich.
Sie erwiderten, dass ich mich nicht zu entschuldigen brauchte und sie gesehen haben, dass es ein Notfall war und ich meine Freunde retten wollte.

Ich ging auf die Anführerin zu. „Seid Ihr Anführerin?“, fragte ich. Sie nickte.
„Vielen Dank.“, sagte ich und hielt ihr eine Silbermünze hin.
Sie schüttelte den Kopf. „Wir sind ein Orden, der den Bedürftigen hilft. Und Ihr saht so aus, als würdet ihr die Hilfe benötigen. Aber wenn Ihr das Silber geben wollt, die Dame dahinten“ – sie deutete auf eine Frau auf der Wiese – „hat gerade ihren Mann verloren. Gebt es ihr.“
Ich nickte. Das klang nach einer guten Idee.

Also lief ich direkt auf die Frau zu und drückte ihr die Silbermünze in die Hand. Sie sah sehr traurig aus, doch als sie mich ansah, hellte sich ihr Blick etwas auf.
„Danke, vielen Dank!“
„Hoffe, das hilft.“, erwiderte ich.
Sie nickte und damit ging ich zurück zu Tahn und Batras.

Tahn lag noch vor Batras Zelt, als auf einmal der Schweinebauer Paul vorbeikam und eine Schüssel in der Hand hielt.

Bevor ich irgendetwas fragen oder sagen konnte, schüttete er den Inhalt über Tahns Wunde. Es roch nach Pisse. Ich sah zu Paul.
„Hast Du gerade…?“
„Aber das war doch gar nicht mit der Mutter abgesprochen.“
Paul sah mich an. Ich starrte böse zurück. Was fiel ihm nur ein?!
Batras schüttelte genervt den Kopf und holte eine Flüssigkeit, um Tahns Wunde ordentlich zu versorgen. Da war man einmal kurz weg und dann sowas…
Immerhin war er jetzt bei Batras in besten Händen.

Zum tänzelnden Bären

Als Tahns Wunde versorgt war, holten wir uns etwas zu essen beim Wirt. Unterwegs trafen wir auf Dmitri, der uns von der Rakhover Taverne „Zum tänzelnden Bären“ erzählte. Wir sprachen kurz über Falkenhain und über meine Axt mit dem Bären. Er zeigte mir sein Armband, an dem ebenfalls ein Bären-Anhänger hing.
Ich beschloss, mir diese Taverne einmal anzuschauen. Sie sei auch gar nicht so weit weg und es gab viele lustige Dinge dort zu tun. Das klang nach einer guten Idee.

Das Essen schmeckte hervorragend und wir setzten uns auf den Boden und ruhten uns etwas aus. Der Tag war anstrengend genug gewesen.

Ein wenig später kam der Weibel des Ordens der Hammertreuen zu uns.
Wir sprachen noch einmal über den Vorfall bei den Insektenwesen, doch auch er war der Meinung, dass der Streit nicht meine Schuld war und er mir angesehen hatte, dass ich Hilfe brauchte.
Ich war dafür sehr dankbar. Er erklärte noch, was die vorherigen Male geschehen war und dass sie schon oft für irgendwelche sinnlosen Angriffe hatten herhalten müssen – daher waren sie wohl auch so genervt. Das konnte ich natürlich verstehen.

Er sprach uns dann noch kurz auf eine Burg mit einem Drachen an, von der er gehört hatte. Es handelte sich um die Burg, auf der wir bei unserer letzten Reise versucht hatten, den Drachen zurück zu einem Gott werden zu lassen. Offenbar hatte dieser Mann auch schon davon gehört.

Der Weibel ging zurück zu seinem Orden und wir sprachen mit Batras über seine nächsten Reisen. Für ihn würde es als nächstes wahrscheinlich zum Meilenstein gehen. Der Name kam mir bekannt vor, doch ich war schon lange nicht mehr dort gewesen. Sollten wir auch einmal dorthin reisen?

Nach einer Weile erblickte ich auf einmal einen Mann, der mir bekannt vorkam. Aber nicht auf die gute Art und Weise, er löste eher einen Schrecken in mir aus, der mich zu meiner Axt greifen ließ. Es war der Mann, der am Phönixnest auf Tahn zugegangen war und ihn töten wollte, weil er an einen anderen Gott glaubte. Für mich hatten die Götter ohnehin nur verschiedene Namen. Außerdem war Tahn ein guter Mensch und würde nie Jemandem etwas zuleide tun.

Batras sprach mit eben jenem Mann. Kannte er ihn etwa?!
Als Batras zurückkam, stellte ich ihn zur Rede und erzählte ihn von unseren Erfahrungen. Er war schockiert und konnte – genau wie ich – überhaupt nicht verstehen, warum dieser Mann Tahn umbringen wollte.
Ich war froh und erleichtert, dass nun auch Batras davon wusste.

Tahn und ich beschlossen, ein paar Fackeln zu bauen. Wir hatten noch Holz, Seil und Käsewachs, also hatten wir alles, was wir brauchten.
Währenddessen wurde in der Nähe der Taverne ein Faustkampf ausgetragen, der offenbar ziemlich spannend war.
Zwischendurch kamen ein paar Leute an uns vorbei und fragten uns, was wir da machten. Wir erklärten, dass wir Fackeln bauten. Vor allem in den dunkleren Jahreszeiten und bei Reisen in der Nacht war das sehr praktisch. Ohne Licht kam man nicht besonders weit.

Als es dunkel war, setzten wir uns mit Paul, Dmitri und Batras zusammen. Es wurden Rätsel vorgetragen und Witze erzählt. Der Wirt kam immer wieder vorbei und versorgte uns mit Getränken. Er wurdenicht müde, uns nach unseren Wünschen zu fragen.
Es wurde noch ein sehr schöner Abend nach all der Anspannung und Anstrengung des Tages.

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