Am nächsten Morgen ruderten wir von der Insel zurück an die Küste. Es war schade, dass ich keinen Hinweis auf einen weiteren Zettel bekommen konnte. Wo sollte ich weitersuchen?
Ich fragte Bjorn, was er nun vorhabe.
„Will ich neue Ort suchen.“, erklärte Bjorn und wieder einmal fragte ich mich, wie er diese schwere Axt so lange festhalten konnte. Bei ihm wirkte es überhaupt nicht anstrengend.
„Will ich Ort finden, an dem es gibt Kupfer.“, fügte er dann hinzu. „Ist Beutel fast leer.“
„Darfst du nicht so viel spielen und verlieren.“, erwiderte ich darauf und grinste ihn an.
„Da, hast du recht.“, war seine knappe Antwort. Dann liefen wir weiter durch einen Wald.

Ich hoffte einfach, dass wir eine ruhige Taverne finden würden, bei der wir uns ausruhen, essen und trinken konnten. Außerdem wollte ich wieder jagen.

Wir verbrachten die Nächte in Höhlen, was Bjorn dazu veranlasste, darüber zu murren. Er wollte viel lieber in normalen Betten schlafen. Doch er musste verstehen, dass das nicht immer möglich war.

Während wir in den Höhlen waren, überlegte ich mir, wie ich Tiere jagen sollte, wenn ich auf Tavernen unterwegs war. Dort zu jagen war meistens nicht möglich und außerdem ermüdete es mich immer sehr. Da musste es eine bessere Lösung geben.

Und dann fiel es mir ein: Eine Falle!
Wenn ich mir eine Falle bauen würde, dann konnte ich Tiere fangen, während ich mich auf Tavernen ausruhte. Das war die Möglichkeit!

Also sammelte ich mir unterwegs verschiedene Materialien zusammen und begann, zu bauen. Bjorn verstand nicht ganz, was ich da tat. Doch ich erklärte ihm, dass er nur Fleisch bekommen könnte, wenn er mich machen ließ. Das tat er dann auch.

Nach einigen Tagen war die Falle fertig. Ich war stolz darauf. Das musste einfach funktionieren.
Ich trug also die Falle mit mir herum, während wir durch den nächsten Wald liefen.

„Menschen!“, rief Bjorn auf einmal und deutete in die Ferne. Dort stand tatsächlich eine Gruppe Personen. Und auch der Wald schien dort zu enden.
„Ist Thorstain? Wenn Thorstain ist, dann ist dort auch Taverne.“, überlegte Bjorn.
„Da. Kann sein.“, erwiderte ich. „Will ich aber erst Falle aufstellen.“
„Funktioniert bestimmt nicht.“, kommentierte Bjorn und ich starrte ihn böse an. Er sagte nichts mehr.

Wir gingen weiter auf den Waldrand zu. „Ist jemand hinter uns.“, murmelte Bjorn auf einmal und ich drehte mich um.
Tatsächlich. Weiter hinten im Wald lief jemand anderes. Mit einem Bogen.
Auf den zweiten Blick kam er mir bekannt vor. Ich überlegte einen Augenblick.
Kirren.
„Ah. Kennen wir diesen.“, erwiderte ich.
„Wer ist?“, fragte Bjorn.
„Kirren. Von Grenzstein.“
„KIRREN!“, rief Bjorn so laut, dass es jeder im Wald hören konnte.
„Nicht so laut!“, ermahnte ich ihn. „Kann dich jeder hören!“

Wir gingen auf Kirren zu, doch ich war mir unsicher. Bei ihm hatte die Heilung nicht richtig funktioniert. Er hatte Schmerzen gehabt. Wie sollte ich reagieren?
Bjorn begrüßte Kirren herzlich. Ich sträubte mich. Gut möglich, dass er mich nicht mochte…
„Seid gegrüßt.“
„Seid gegrüßt.“
Normale Begrüßung.
Wir liefen gemeinsam weiter.
Keiner von uns kannte diesen Ort, doch diese Menschen, die wir gesehen hatten…
Irgendetwas musste also hier sein. Und wenn es nur eine Taverne war, bei der wir uns ausruhen konnten.

Wir kamen zu einer Lichtung und von Weitem konnten wir einen riesigen Turm erkennen. Er sah seltsam aus. Nicht von dieser Welt. Auch das Material, aus dem dieser bestand, konnte ich nicht zuordnen. Zwergenhandwerk?

An der Lichtung saßen drei Personen. Zwei von ihnen hatte ich schon öfter gesehen, doch ihre Namen wusste ich nicht. Sie trugen sehr dunkle, zerfetzte Kleidung. Die dritte Person hingegen trug größtenteils helle, grüne Farben und einen Hut auf dem Kopf. Sie kam mir nicht bekannt vor.

Wir begrüßten sie trotzdem und sie boten uns Kürbiskerne an. Sie schmeckten lecker.
Die drei begutachteten meine Falle und meinten, dass hier ein guter Platz für eine Großwildjagd sei.
Ich nickte und wollte meine Falle aufstellen.
Bjorn folgte mir. Er sollte sich anschauen, wo die Falle liegt, damit er nicht versehentlich rein tritt und die Falle besetzt. Immerhin wollte ich Tiere fangen und keine Menschen.

Also liefen wir noch ein Stück in den Wald. Dann stellte ich die Falle in der Nähe einer Fichte auf, stellte sie scharf und tarnte sie mit ein paar Ästen und Laub.
Dann verließen wir den Ort schnell wieder, damit kein Tier etwas erahnen konnte.

Als wir wieder an der Lichtung ankamen, erklärten wir Kirren kurz, wo die Falle war, damit auch er nicht rein treten würde. Es kamen noch ein paar mehr Personen zur Lichtung, darunter auch Thorstain.
„Thorstain!“, begrüßten wir ihn und er kam auf uns zu. „Thorstain, ist hier Taverne?“, fragte Bjorn.
Thorstain nickte. „So etwas in der Art. Wir sind hier auf einem vahrymesischen Außenposten.“
„Gibt es Met?“, fragte Bjorn.
„Klar.“, erwiderte Thorstain.
„Dann ist gut.“

Wir warnten ein paar Fremde vor der Falle, die direkt in die Richtung liefen.
Die meisten verstanden nicht, weshalb ich eine Falle aufgestellt hatte. Doch sie waren keine Jäger. Sie konnten es wohl nicht verstehen.

Bjorn wollte zur Taverne und so sagte ich ihm, dass ich nachkommen würde.
Ich würde mich im Wald auf die Lauer legen und warten, bis ein Tier in meine Falle rennen würde.

Ich lief also durchs Unterholz und legte mich gegen den Wind in das Gestrüpp. So konnte mich kein Tier sehen oder riechen.
Doch ich erblickte auf einmal unter einem Baum eine Person.
Etwas verwirrt näherte ich mich.
Er sah nicht so aus, als käme er aus diesen Landen.
Auf dem Kopf trug er eine Art Strohhut, ansonsten war er recht dunkel gekleidet.

Zwei Personen näherten sich ihm ebenfalls. Einer von ihnen suchte einen Ort, um sein Schwert zu segnen. Ich blieb weiter in einiger Entfernung stehen und beobachtete das Geschehen nur. Sie stellten sich einander vor. Dieser fremdländisch aussehende Mann trug scheinbar den Namen „Kazumoto“. Auch ein Name, den ich zuvor noch nie gehört hatte.
Er fragte mich, ob ich weiter nur herumstehen wolle und ich erwiderte, dass ich nicht stören wolle.
Seine Antwort „dass es schon geschehen sei“ verunsicherte mich etwas. War er böse? Hatte ich die Zeremonie unterbrochen?
Doch dann bot er mir Tee an.
Sollte ich das Angebot annehmen?
Kurz beobachtete ich, wie die anderen auch Tee tranken.
Ganz klar ein Ritual seiner Heimat.
Der Tee schien also nicht vergiftet zu sein.
Ich willigte ein und kniete mich zu ihnen, hatte von diesem Platz aber noch immer die Falle im Blick.

Der Tee war köstlich und ich sah dem einen Krieger zu während er sein Schwert zu segnen schien.
Der, der sich Kazumoto nannte, erzählte, dass er Krieg suche. Er schien unbedingt kämpfen zu wollen.
Ich verstand es nicht recht.
Klar, es war nichts gegen einen guten Kampf einzuwenden, doch auf der anderen Seite konnte man leicht verwundet werden. Und wenn man nicht im Kampf starb, sondern den Verletzungen erlag… Nicht auszudenken.

Auf einmal wurde es unruhig. In der Ferne liefen einige der Fremden los und auch die drei Männer erhoben sich. Was war passiert?
Ich lief schnell los, lief hoch zu einem etwas größeren Platz, direkt in die Nähe des Turmes. Viele Menschen hatten sich hier versammelt… Doch da waren auch noch andere Wesen. Sie griffen an. Wo war Bjorn? Wo Kirren?
Bald sah ich sie und lief zu ihnen.
„Was ist hier los?“, fragte ich.
„Diese Wesen greifen an. Sie kommen vom Turm.“, erklärte Bjorn und ich blickte schnell zum Turm herüber. Ich wusste doch, dass dieser Turm gefährlich war. Von Anfang an hatte ich es gespürt.

Doch es waren nicht allzu viele Angreifer. Glücklicherweise besaßen die meisten der Fremden Waffen und verteidigten sich. Sie bekämpften diese Wesen und so brauchten wir gar nicht einzugreifen. Noch nicht.
Aber diese Gestalten verhielten sich seltsam. Immer, bevor sie angreifen wollten, riefen sie, dass wir ihnen helfen sollen und dass sie das nicht wollen. Wir verstanden es nicht.

Ich sah mir einen Augenblick diesen Ort an.
Laut Thorstain also ein Stützpunkt.
Bjorn deutete auf einen Zettel, der an einem frei stehendem Baum befestigt worden war. Jemand wurde gesucht. Eine Baroness und ihre drei Kinder. Eine Zeichnung von der gesuchten Frau war ebenfalls auf dem Zettel.
„Gibt sechs Silberlinge.“, fügte Bjorn hinzu.
„Ah. Müssen wir finden, eh?“, überlegte ich.
Wir würden die Augen offen halten.
Der Turm ragte bis in den Himmel. Etwas Böses ging von ihm aus. Ein Werk Lokis?
Ein paar Zelte waren auf der Lichtung aufgebaut worden und in einer kleinen Hütte konnte man Speis und Trank kaufen. Viel mehr gab es hier nicht. Doch der Wald gefiel mir.

Ich entschied, wieder in Richtung Wald zu gehen und bat Bjorn darum, mir Bescheid zu geben, falls sie mich zum Kämpfen brauchten. Doch noch wirkte es recht ruhig.

Als ich die ersten Schritte durch den Wald lief, vernahm ich auf einmal ein Schreien.
Ein Schreien?
Es klang nach einem Menschen.
Es dauerte einen Augenblick, bis ich ahnte, woher dieses Schreien kam.
Bitte nicht., dachte ich, doch ich lief in die Richtung, von der dieses Schreien kam.
Und dort lag er.
Ein Mensch.
In meiner Falle.
„Oh. Habe ich einen Mensch gefangen?“, murmelte ich leise zu mir selbst, während ich näher kam.
Er sah irgendwie schäbig aus. Zerfetzte Klamotten. Verbände. Nichts besonderes. Nur einen Knüppel in der Hand. Andere Waffen sah ich auf den ersten Blick nicht.

Doch eben diesen Knüppel erhob er plötzlich, sodass ich einen Schritt zurück trat, um außer seiner Reichweite zu sein.
„Nicht angreifen! Oder willst du in Falle gefangen bleiben!“, fuhr ich ihn an.
„Wer stellt denn so eine Falle mitten in den Wald?!“, fluchte er und ich musste kurz grinsen.
„Ist meine Falle.“, erwiderte ich.
„Warum?!“
„Warum? Wollte ich Tier fangen! Wieso läufst du auch in Falle? Kann ich kein Tier fangen jetzt.“, grummelte ich genervt. Er besetzte meine Falle.
„Was soll ich jetzt tun? Du hast meinen Fuß zerstört!“, warf er mir vor.
„Wieso trittst du auch in Falle?“, fragte ich direkt. „Lass Waffe liegen, sonst ich helfe dir nicht.“
Ich blieb in einiger Entfernung stehen und wartete ab.
Als er den Knüppel endlich los ließ, kam ich langsam näher.
„Wer bist du?“, fragte ich ihn dann.
Er zögerte.
„Bjorn.“, erwiderte er und ich schüttelte den Kopf.
„Njet. Bist du nicht Bjorn.“
„Doch!“
Ich seufzte.
„Muss ich Falle entschärfen. Musst du still halten.“, wies ich ihn an und kniete mich zur Falle. Mit Hilfe der metallischen Ketten zog ich die Fangeisen zurück und befestigte sie.
Dann hörte ich Schritte und Stimmen und sah auf.
Die drei Personen von der Lichtung und Bjorn und Kirren kamen auf mich zu.
Hatten sie die Schreie auch gehört?

„Hast du Mensch gefangen, Anastasya?“, fragte Bjorn und lachte.
„Da. Habe ich.“, erwiderte ich.
Der Gefangene wollte wieder mit seinem Knüppel zuschlagen, doch die dunkel gekleidete Frau schlug ihm mit einem Stab auf den Kopf. Er verlor sofort das Bewusstsein.
Also hob ich seinen Fuß aus der Falle heraus. Zumindest versuchte ich es. Der Fuß war verdammt schwer.
Er wurde langsam wieder wach.
„Muss ich Wunde reinigen. Kann brennen.“, kündigte ich an und kippte etwas Metka auf sein Bein. Er schrie sofort auf und verfluchte mich noch mehr.
Die Frau wollte das nicht mit anhören und schlug ihn erneut bewusstlos.
Ich verschloss die Flasche Metka wieder und verband ihm das Bein.
Er würde nicht laufen können.
„Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte der dunkel gekleidete Mann mit dem großen Hammer.
„Tragen können wir nicht. Ist schwere Mann.“, erwiderte ich.
„Lassen wir liegen.“, schlug die dunkel gekleidete Frau vor.
Ich zuckte mit den Schultern.
Dann fiel mir etwas ein.
„Da! Dann kann er anlocken andere Tiere, die ihn fressen wollen. Kann ich fangen andere Tiere mit Falle, eh? Ist gute Idee!“
Die anderen stimmten zu.
Dann kam noch jemand anderes zu uns.
Sie kam mir bekannt vor, doch ihr Name wollte mir nicht einfallen.
Als der Gefangene wieder aufwachte, fragten wir ihn, was er hier mache.
Er sagte, dass er ein geflüchteter Sklave sei.
Na toll, also kein Kupfer., dachte ich direkt.
Ich hatte zuerst überlegt, ob ich ihn heilen soll.
Aber so?
Ich kannte ihn ja nicht einmal, außerdem wollte er mich angreifen.
Doch die Frau, die neu dazu gekommen war, sagte, dass sie ihn kenne und will, dass wir ihn zu ihr bringen.
Ich schlug vor, ihn zu heilen, doch nur gegen Kupfer.
Wir handelten vier Kupfer für seine Heilung aus und sie stimmte zu.
Die anderen verschwanden wieder und so blieben nur Kirren, Bjorn und ich übrig. Und der Gefangene, der sich auch Bjorn nannte.

Ich fragte den Gefangenen, ob er an einen Gott glaube.
Seine Antwort war Odin.
Ich hoffte so sehr, dass es funktionieren würde.
Etwas verunsichert blickte ich zu Kirren auf.
Nein.
Diesmal würde es funktionieren.
Odin war bei mir.
Also legte ich dem Gefangenen drei Runensteine in die Hand und fing an.
Während die Runen wirkten, schrie er auf, doch es klang nicht so schlimm wie bei Kirren.
Lag es wirklich am Glauben?
Dann begann die Wunde offensichtlich zu jucken, denn er wollte unbedingt kratzen.
Wir hielten ihn aber ruhig und ermahnten ihn, sich nicht weiter zu bewegen geschweige denn zu kratzen, da die Wunde sonst wieder aufreißen würde.
In diesem Stadium war sie sehr empfindlich.
Und je schneller sie zu wuchs, desto mehr juckte es.

Doch nach einigen Augenblicken schien die Wunde geschlossen zu sein, denn der Gefangene klagte weiter über starkes Jucken. Je schlimmer es wurde, desto eher war die Wunde geschlossen.
Vorsichtig löste ich den Verband.
Die Verletzung war verschwunden.
Ich danke dir, Odin., dachte ich.
Dann gingen wir gemeinsam zurück zur Lichtung.
Schließlich sollte ich noch meine vier Kupfer bekommen.

Als die Frau den Nicht-Mehr-Gefangenen sah, kramte sie aus einer Tasche Kupfermünzen hervor und überreichte mir sie.
„Habt Dank.“, erwiderte ich und so liefen wir zu dritt weiter in Richtung Turm.
Es schien wieder eine gewisse Unruhe zu herrschen.
Diese Wesen kamen wieder.
Ich schnappte mir einen meiner Pfeile und schoss auf dieses Wesen, während die anderen im Nahkampf mit ihnen kämpften.
Kirren stand direkt neben mir und schoss ebenfalls.

Als wir sie in die Flucht geschlagen hatten, tauchte auf einmal ein Geist auf. Weiblich.
An irgendetwas erinnerte der Geist mich…
Dann fiel mir der Zettel am Baum wieder ein. Die Zeichnung. Sie sah dem Geist erschreckend ähnlich.

„Sieht aus wie Baroness.“, flüsterte ich Bjorn und Kirren zu.
„Also ist die Baroness tot?“
Bjorn schüttelte den Kopf.
„Njet. Läuft doch da.“, erwiderte er.
„Ist vielleicht Geist.“ murmelte ich und folgte der Gestalt.
Die anderen Krieger waren etwas verwirrt stehen geblieben und schienen sich nicht sicher zu sein, was sie tun sollten.
Doch als ich dem Wesen folgte, so kamen auch die anderen hinterher.

Mitten im Wald blieb dieses Wesen stehen und zeigte in eine Richtung. Nicht mehr. Nicht weniger.
Es stand einfach so da.
Worauf zeigte es?
Auf ein Grab. Mitten im Wald.
Wir näherten uns dem Grab.
War es etwa das Grab dieses Wesens?
Es gab für mich nur einen Weg, das herauszufinden: Das Grab ausheben und schauen, was unter der Erde vergraben war.
Als ich es aussprach, schritt sofort einer der Anwesenden ein.
„Ihr könnt nicht einfach ein Grab ausheben!“, schrie er mich an.
Er trug eine Rüstung und er kam mir bekannt vor. Wir hatten schon einmal Seite an Seite gegen Dämonen gekämpft, weshalb es mich noch mehr verwirrte, dass er jetzt sich jetzt so aufregte.
Ein anderer kam dazu.
„So lange das hier vahrymesisches Gebiet ist, wird hier keine Leiche ausgehoben!“, rief er drohend.
Ich zuckte mit den Schultern.
„Geist zeigt auf Grab. Grab hat bestimmt mit angreifenden Gestalten zu tun. Aber wenn ihr nicht wollt, dann nicht.“, gab ich knurrend zurück.
Was sollte das?
Ich konnte es einfach nicht verstehen.
Was sprach dagegen, ein Grab auszuheben, wenn es einem guten Zweck diente?

Bjorn und Kirren sprachen darüber, ob diese Gestalt wirklich ein Geist war.
Kirren nahm kurzerhand seinen Bogen und schoss… durch den Geist hindurch.
Wir staunten nicht schlecht.
Es war also tatsächlich ein Geist… Der sich jetzt wütend zu Kirren umdrehte.
Ganz langsam schritt der Geist auf ihn zu, die anderen wichen zurück.
Glücklicherweise blieb es beim Böse-Anschauen.

Jemand lief los, um Lord Cecil zu fragen.
Lord Cecil…
Der Name sagte mir etwas.
Doch viel geredet hatte ich noch nicht mit ihm, obwohl er mir schon öfter begegnet war.

Es dauerte nicht lange bis Lord Cecil auf uns zu kam.
Thorstain ergriff das Wort und erklärte dem Lord die Situation. Dann bat er ihn darum, das Grab ausheben zu dürfen, um sicherzugehen, ob es sich um die Leiche des Geistes handle.
Ich erwartete schon, dass der Lord sich aufregen und uns anschreien würde, ähnlich, wie der Paladin es getan hatte, doch Lord Cecil nickte nur langsam.
Überrascht trat ich einen Schritt näher. Ich wollte wissen, was sie redeten.
„Ja. Ich… Ich denke, dass es der einzige Weg ist. Also. Macht es so.“, gab er uns seine Zustimmung.
Ich hörte Protestrufe von der Seite.
Der Paladin…, vermutete ich.
Ich sollte recht behalten.
„Ich kann das nicht gutheißen, nein, wie könnt ihr nur. Die Ruhe der Toten, die darf man nicht einfach so stören und einfach so ein Grab zu schänden, nein, furchtbar…“
Er hörte gar nicht mehr auf, vor sich hin zu fluchen und entfernte sich kopfschüttelnd vom Grab.
Mit der Leiche wollte er nichts zu tun haben und mir sollte es recht sein.

Thorstain und eine weitere Person knieten sich zum Grab und begannen, zu graben.
Vorsichtig näherte ich mich, behielt aber die Umgebung genau im Blick.
Wenn diese seltsamen Gestalten wieder auftauchen würden, um uns anzugreifen, durften sie uns nicht überraschen.

Eine leichte Brise brachte die Zweige zum Zittern… Und noch etwas anderes.
Ich begann stark zu husten und zog das Tuch hoch vor meinen Mund.
Der faule Gestank war kaum zu ertragen.
Je weiter sie gruben, desto schlimmer wurde es.
Keuchend trat ich ein paar Schritte zurück.

 

Dem Gestank nach zu urteilen lag diese Leiche noch nicht lange unter der Erde.
Bald hatten sie tief genug gegraben und fanden ein Bündel.
Eingewickelt in weiße Leinen.
Ich trat wieder einen Schritt näher, hielt mir aber dieses Mal zusätzlich die Hand vor den Mund.

Die Frau, die Thorstain beim Ausgraben geholfen hatte, nahm kurzerhand das Leichenbündel auf die Arme und hob es aus dem Loch.
Ich starrte sie an. Sie schien keinerlei Probleme mit dem Gestank zu haben.
Was hatten sie nun mit der Leiche vor?

Thorstain und die Frau liefen in Richtung der Taverne. In Richtung des Turms. Dorthin, wo die ganzen anderen Menschen waren.
Wieso?
Ich hielt es für keine gute Idee.
Doch aufhalten konnte und wollte ich sie nicht.
Also verfolgte ich sie nur mit meinen Blicken.
Der Paladin fluchte immer noch vor sich hin und wurde lauter, als sie an ihm vorbei gingen.
Eine Leiche an einem Paladin vorbei tragen empfand ich schon als sehr mutig, hielt mich also erst einmal im Hintergrund.

„War Grab sonst leer?“, fragte ich die Umstehenden.
Bjorn zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht haben sie Opferbeigaben. Lass uns schauen.“, schlug er vor und wir näherten uns vorsichtig dem Grab.
Der Gestank war noch immer nicht verflogen.
Doch ansonsten war das Grab leer.
„Seltsamer Süden.“, murmelte ich, dann liefen Bjorn, Kirren und ich zurück zum Turm.
Vorbei an dem Paladin, der sich die Haare raufte.

Von Thorstain erfuhren wir dann, dass ein Kind der Baroness bereits tot aufgefunden worden war. Wobei ‚aufgefunden‘ das falsche Wort war. Es baumelte vom Turm herunter.
Meine Augen weiteten sich und ich starrte zum Turm hinauf.
Es war doch klar, dass dort irgendetwas Böses sein musste…

Sehr viele Personen sammelten sich um die Leiche.
Ich wollte damit nichts zu tun haben, es stank viel zu sehr.
Im Norden, dort, wo mehr Schnee war, hatten wir kaum mit einem solchen Gestank zu kämpfen.

Es dauerte nicht lange, bis erneut Gestalten in der Nähe des Turmes auftauchten um uns anzugreifen.
Uns blieb nicht viel übrig als zu kämpfen.
Die Kämpfer waren in der Überzahl.
Wieder einmal schrien diese seltsamen Gestalten, dass sie das gar nicht wollen. Doch sie griffen uns dennoch an und das war für mich Grund genug, ihnen den Gnadenstoß zu geben.

Ich wollte noch einmal im Wald schauen, ob wir etwas übersehen hatten. Gab es mehr Gräber? Würden wir die anderen Kinder ebenfalls tot auffinden?
Auf dem Weg zum Wald schnappte ich Gespräche auf. Wortfetzen, eher.
„Sie hat Tollwut! Wo ist diese Katze?!“
„Sie ist weg! Wir müssen sie suchen!“
Katze? Tollwut?, überlegte ich.
Ich hatte bisher nur gute Erfahrungen mit Katzen gemacht. Darunter auch große Katzen, die einen Hauch Menschlichkeit hatten.
Als ich am Waldrand stand, sah ich sie dann.
Mitten im Wald, zwischen den Bäumen, hockte besagte Katze.
Ich kannte sie. Es war eine Katze mit menschlichen Zügen. Sie konnte sogar unsere Sprache verstehen und sprechen.
Doch so, wie sie im Wald saß, wirkte sie sehr verstört.
Ich wollte zu der Katze, doch dann hörte ich, wie Kirren und Bjorn miteinander sprachen.
Miteinander flüsterten.
Ich wusste sofort, dass es um die Katze ist.
„Was ist?“, fragte ich sie.
Bjorn zögerte, doch dann verriet er es mir.
Auf die Katze war ein Kopfgeld ausgesetzt. Außerdem behaupteten die anderen, dass sie Tollwut habe.
Ich glaubte das nicht.
Die Katze hatte mir schon einmal das Leben gerettet. Auf dem Phönixnest. Es war fast zwei Monde her.
Ich konnte nicht zulassen, dass sie sie für Kopfgeld töteten.
„Nicht angreifen!“, wies ich sie an.
Dann näherte ich mich der Katze.

Der Blick der Katze war starr auf mich gerichtet.
Ich wollte noch einen Schritt näher kommen, doch die Katze wich sofort zurück.
„Hab keine Angst.“, versuchte ich sie zu beruhigen.
Doch es schien nicht zu helfen.
Kurz blickte ich zurück zu Bjorn und Kirren.
„Geh weg von ihr!“, riefen sie mir zu.
Kirren hatte seinen Bogen bereit. Bjorn die Axt.
Ich seufzte. „Wenn ich meine Waffen hinlege, darf ich dann zu dir kommen?“
„Menschen sind böse.“, erwiderte die Katze direkt. „Mein Ohr.“
Sie fasste sich an den Kopf.
Jetzt sah ich es auch.
Jemand hatte ihr Ohr abgeschnitten.
Ich knurrte wütend.
„Wer hat das gemacht? Ich… ich würde sowas niemals tun! Du kennst mich doch?“
Ich war fassungslos.
Wer würde einer unschuldigen Katze das Ohr abschneiden?

Die Katze schien langsam zu verstehen, dass ich nichts böses wollte.
Ich kniete mich zu Boden und legte meine Waffen ab. Auch Bogen und Köcher nahm ich und lehnte sie gegen einen Baum.
Dann kroch ich auf allen Vieren langsam auf die Katze zu.
Sie schien sich nicht sicher zu sein.
Es war wie auf der Jagd.
Ein falscher Tritt und sie würde weglaufen.
Nur, dass ich sie nicht töten wollte.

Als ich näher bei ihr war, sah ich auch die Wunde am Kopf noch besser.
Einfach abgetrennt.
Ich schüttelte traurig den Kopf.
„Nicht alle Menschen sind böse.“, murmelte ich. „Weißt du noch, dass du mir Leben gerettet hast?“
Die Katze bewegte den Kopf etwas.
Ein Nicken?
Ich schlug der Katze vor, sie zu beschützen.
Zwischendurch blickte ich zurück zu Bjorn und Kirren, um sicherzugehen, dass sie nicht aus dem Hinterhalt die Katze töten wollten.
Doch sie benahmen sich.
Ich redete noch etwas auf die Katze ein. Versuchte ihr zu erklären, dass Menschen verschieden waren und dass wir sie brauchten. Sie musste uns beim Kämpfen helfen.
Die Katze verhielt sich seltsam. Hielt sich den Kopf, als hätte sie Schmerzen.
„Geister!“, gab sie von sich. Es klang verzweifelt. „Überall. Hier sind überall Geister.“
Ich beobachtete sie.
Konnte sie etwa die Geister sehen?

Bald kamen noch andere Personen in die Nähe des Waldes.
Als die Katze das sah, rannte sie sofort weg.
Ich nutzte die Zeit, um meine Waffen wieder an mich zu nehmen.
Bjorn und Kirren waren wieder zurück zur Lichtung gelaufen.

Die Personen, die den Wald betreten hatten, kamen mir nicht bekannt vor.
Doch sie schienen auch zu der Katze zu wollen.
„Seid nett zu Katze. Ist auch nette Katze.“, erklärte ich ihnen und blieb noch einen Moment stehen. Ich beobachtete sie. Ich traute ihnen nicht.
Doch sie waren nett, knieten sich zu der Katze und schienen sich um sie zu kümmern.
Ich brauchte mir also keine Sorgen mehr zu machen.

Also lief ich zurück zur Lichtung.
Als ich an dem Waldstück vorbei kam, in dem meine Falle lag, zögerte ich und sah in den Himmel.
Im Dunkeln würde ich die Falle nicht wiederfinden.
Ich sicherte sie also und nahm sie mit.
Dann ging ich weiter bis zur Lichtung und legte die Falle auf einer hölzernen Bank ab.

Ich traf Kirren und fragte ihn, wo Bjorn ist.
Er meinte, dass er in die Katakomben gegangen sei.
Einfach so.
Alleine.
Ohne mich.
Grummelnd nickte ich.
„Lass uns auch in Katakomben gehen.“, erwiderte ich sauer.
Kirren zögerte einen Moment, dann nickte er.
Wir liefen zusammen zum Turm und konnten schon die hölzerne Luke sehen, durch die wir vermutlich steigen mussten.
Sie sah schwer aus.
Was dort unten wohl war?
Wieso hatte er mir nicht Bescheid gesagt?

Die dunkel gekleidete Frau kletterte aus der Luke heraus. Die Frau, die auch im Wald stand, als ich den Mensch gefangen hatte.
„Die sind doch bescheuert. Die wollen diesen Stein kaputt machen. Da bin ich schnell gelaufen. Sollen sie alleine machen!“, fluchte sie als sie uns sah.
„Ist Bjorn auch unten?“, fragte ich sie direkt.
„Ja. Ist er.“, murmelte sie und verschwand schnell vom Turm.
Ich weiß nicht genau, was dann passiert war.
Ich weiß nur, dass ich auf einmal zu Boden geworfen wurde.
Als ich mich umsah, stellte ich fest, dass alle am Boden lagen.
Was war nur passiert?
Es dauerte eine Weile bis ich mich wieder aufrappelte.
Direkt neben mir lag Kirren noch immer.
Er wimmerte vor Schmerzen.
„Kirren, was ist?“, fragte ich ihn.
Er antwortete nicht direkt.
Es dauerte einen Moment.
„Was war das gerade?!“, fragte er dann aufgebracht.
„Ich weiß nicht.“, erwiderte ich. „Kannst du aufstehen?“
„Warum tut das denn so weh?“, fragte er direkt weiter, ließ sich von mir aber aufhelfen.
„Hast du noch immer Schmerzen?“, fragte ich als er schon stand.
Er nickte.
„Ihr etwa nicht?“
Ich schüttelte den Kopf.
In diesem Moment hörten wir ein lautes Knarzen.
Die Luke öffnete sich und die Krieger kletterten nacheinander heraus.
Bjorn war auch dabei.
Er wirkte verletzt.
Ich half ihm vom Turm weg zu kommen. Die Verletzungen mussten versorgt werden.
Also setzte ich ihn auf eine hölzerne Bank.
Die Heilerin, die uns schon öfter starke Tränke verabreicht hatte, sah das und winkte mich zu sich. Sie überreichte mir den Trank, den ich in Bjorns Wunden geben sollte.
Ich bedankte mich bei ihr.

„Bjorn. Ist Trank von diese Frau. Du weißt. Tut weh, aber hilft.“, erklärte ich ihm schnell während ich das Fläschchen öffnete.
Bjorn knurrte nur, stimmte aber zu.
Also hielt ich sein Bein fest und schüttete den Inhalt des Fläschchens so vorsichtig wie möglich in die Wunde.
Doch es half nichts, Bjorn schrie laut auf und ich versuchte, seine Hände festzuhalten, damit er die Wunde beim Heilungsprozess nicht wieder öffnen würde.

Als es Bjorn wieder etwas besser ging, erzählte er, was dort unten in den Katakomben vorgefallen war.
Es gab dort einen Energie-Stein, einen Malachiten. Und der Zwerg hatte versucht, diesen mit seinem Hammer zu zerschlagen.
War das auch der Grund, weswegen alle anderen zu Boden gegangen waren?
Möglich war es.
Wir beschlossen, uns die Katakomben noch einmal anzuschauen.

Also stiegen wir durch die Luke hinab. Es war dunkel, doch glücklicherweise hatte Jemand eine Laterne dabei, damit wir zumindest etwas sehen konnten.
Je weiter wir hinab stiegen, desto schlimmer wurde er. Der Gestank.
Ich zog mir das Tuch schnell wieder ins Gesicht und hustete gequält.
Wie furchtbar.
Die Leiche war nichts dagegen.
Es erinnerte mich an den Pestturm auf Burg Grenzstein.
Es war ähnlich schlimm.
Unten fiel mir als erstes etwas leuchtendes ins Auge.
Das musste der Stein sein.
Er leuchtete grün.
Wie hatten sie ihn genannt? Malachit?
Wir versuchten, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Irgendein Hinweis darauf, was hier passiert sein musste.
Bald fanden wir Körperteile am Boden. Eine Hand. Ein Herz. Ein Gehirn.
Ein eiskalter Schauer lief meinen Rücken hinab.
Und ich spürte etwas. Es musste von diesem Stein ausgehen.
Wie eine Brise. Ein Strom. Ein Wind.
Ich konnte es nicht genau beschreiben.

Wir mussten wissen, ob der Malachit eine gute oder eine schlechte Energie hat.
Vielleicht konnte uns das weiter helfen.
Lord Cecil kniete sich vor den Stein und murmelte etwas.
Nach einigen Augenblicken erhob er sich wieder.
Er erzählte etwas von einer starken Magierin. Selbst sie würde die Energie dieses Steins nicht aufheben können. Also war er sehr mächtig.
Auf einmal änderte der Malchit seine Farbe. Er wurde blau.
Was war hier passiert?
Lord Cecil erschrak.
„Das ist nicht gut. Er ist gewachsen. Wir dürfen nicht versuchen, ihn zu zerstören… Sonst könnte der gesamte Ort explodieren.“
Schnell packte sich eine Frau die Körperteile und wickelte sie in ein Tuch ein.
Sie sollten vom Alchemisten Bartras untersucht werden.
Auch die Haken, die wir gefunden hatten, nahmen wir mit.
Dann wollten wir den Ort schnell wieder verlassen.
Ich wollte gerade wieder hinauf gehen, als ich eine leise Stimme vernahm.
„Anastasya.“
Ich drehte mich um.
Kirren.
Kirren saß am Boden. Er wirkte schwach.
„Was ist los?“, fragte ich sofort.
„Ich fühle mich nicht gut.“, erklärte er leise.
Ich nickte.
„Kannst du aufstehen?“, fragte ich und reichte ihm meine Hand.
Er nahm sie und erhob sich; ich versuchte ihn zu stützen.
In der Dunkelheit hatte ich ihn gar nicht gesehen.
Ich war froh, dass er mich gerufen hatte, sonst hätten wir ihn womöglich dort unten übersehen und vergessen.
Was war nur los mit ihm?
Als wir die Treppen hinaufstiegen, versuchte ich, Kirren weiterhin so gut wie möglich zu stützen.
Wir öffneten die Luke und kamen endlich an die frische Luft. Es war eine Wohltat, endlich ordentlich durchatmen zu können.

Die Körperteile wurden zum Alchemisten gebracht und ich stützte Kirren noch ein wenig, doch es schien ihm bald besser zu gehen.
Was genau mit ihm los war, konnte er mir allerdings auch nicht erklären.
Für ihn schien es ebenfalls neu zu sein.

Bald kamen die Gestalten von überall, nicht nur vom Turm.
Wir mussten kämpfen, egal wie.
Ich lief zu der größeren Wiesenfläche und zog Axt und Schwert.
Sie hatten Langschwerter, Lanzen und Speere und kamen so viel besser an mich heran. Ich konnte sie oft treffen, doch es schien sie überhaupt nicht zu stören.
Irgendwann gingen sie zwar zu Boden, doch es dauerte ewig.
Wieder und wieder beteurten sie, das nicht tun zu wollen und baten uns um ihre Hilfe.
Doch wenn wir sie fragten, wie wir ihnen helfen sollen, griffen sie uns einfach an. Es brachte nichts.

Von einem der Angreifer wurde ich stark verwundet und Bjorn rannte zu mir.
„Steh auf!“, schrie er und riss mich hoch. Er schickte mich zu den Heilern, die mir auch bald helfen konnten.
Doch ich merkte, dass Bjorn wieder wütend wurde.
Was genau das war, wusste ich nicht, doch man durfte sich ihm jetzt nicht in den Weg stellen.
Bald kam Kirren zu mir.
„Sag mal, was ist mit Bjorn los? Er rennt hier die ganze Zeit rum und… ist seltsam.“
Ich überlegte kurz.
„Da. Ist normal. Ich denke ist Blutrausch. Nicht in seinen Weg stellen!“, erklärte ich ihm und hielt Ausschau nach Bjorn. Er kämpfte.
Bjorns Kampfschreie wurden immer lauter. Er schien seine Feinde in die Flucht zu schreien.
Doch ich bemerkte, dass auch die anderen Kämpfer auf unserer Seite eingeschüchtert waren.
Ich sah, wie Kirren sich vor Bjorn stellte und mit ihm reden wollte.
Bjorn stieß ihn wütend zur Seite und lief wieder los in die Schlacht.
Es war klar, dass Bjorn verletzt worden war, doch es half nichts. Er wollte weiter kämpfen.
Ich sah zu Kirren.
„Da, siehst du. Nicht in Weg stellen.“, wiederholte ich mich.
Doch ich sah auch, dass Bjorn immer mehr Wunden hatte. Er musste die Heiler an sich heran lassen.
„Bjorn!“, schrie ich und lief ihm nach. „Bjorn! Bleib stehen!“
Ich packte seine Rüstung und versuchte, ihn festzuhalten.
Sofort drehte er sich zu mir um.
Sein Gesicht war wutverzerrt und rot.
Er schien mich nicht zu erkennen und wollte mit der Axt auf mich zu rennen. Im letzten Moment brach er ab und wand sich einem anderen Gegner zu.
Etwas schockiert sah ich ihm nach.
Wenn er so weitermachte, würde er sich umbringen.
Und vielleicht auch mich, dachte ich.

Doch ich kämpfte weiter, umrannte die Gestalten und griff sie an. Versuchte, dabei Bjorn im Blick zu behalten. Auf einmal bekam ich einen Schlag in den Rücken. Ich ging zu Boden. Den Angreifer hatte ich nicht kommen sehen. Sie waren mittlerweile überall.

Jemand brachte mich erneut zu den Heilern. Dort kippte ich direkt zu Boden. Die Heilerin kam bald. Ich spürte nur, wie die Knochen in meinem Rücken verschoben wurden. Es war unangenehm, aber nicht schmerzhaft. So, als würden sie sich von selbst schieben.
Bald ging es mir schon besser. Es fühlte sich wieder richtig an. Wie war das nur möglich? Ich konnte es nicht ganz verstehen.
Sie musste eine sehr starke Magierin sein, doch das war mir schon öfter aufgefallen.

Ich sah mich etwas um, wollte sichergehen, dass auf der anderen Seite kein Angreifer mehr vom Turm kam.
Auf einmal sah ich etwas vom Turm herunter wanken.
Die Katze!
Sie lief herunter und fiel sofort hin. Rührte sich nicht mehr. Was war passiert?
Schnell lief ich zu ihr.
„Katze! Katze, was ist mit dir?“
Ich wollte den Körper der Katze sanft rütteln und berührte sie an der Schulter.
Ein unbeschreiblicher Schmerz durchzuckte meinen ganzen Körper.
Was danach war, weiß ich nicht.
Als ich wieder erwachte, schleppten mich ein paar Personen gerade zu den Heilern. Ich sollte mich noch ausruhen.
Was genau passiert war, wusste ich noch immer nicht.
Doch ich hatte ein schlechtes Gefühl.
Die Kämpfe schienen aufgehört zu haben.
Wo war Bjorn?
Ich lief zurück zu der großen Wiese, auf der gekämpft worden war und traf bald auf Kirren.
Er erklärte mir, dass Bjorn ziemlich stark verletzt worden war und gerade verarztet werden würde.
Schnell lief ich zu den Heilern und sah ihn bald. Er lag am Boden. Eine riesige Wunde klaffte an seinem Rücken. Doch die Heilerin kümmerte sich schon um ihn.

„Bjorn! Bjorn, ist alles gut bei dir? Hörst du mich?“
Ich kniete mich zu ihm.
Es dauerte einen Augenblick, dann reagierte er auf mich.
„Da. Wurde ich getroffen.“, murmelte er schwach. „Was ist mit Rüstung?“
„Rüstung?“, fragte ich verwirrt. Was wollte er wissen?
„Wie sieht aus?“
Seufzend schüttelte ich den Kopf. Das war doch gar nicht wichtig.
„Sind Nieten rausgerissen.“, beschrieb ich ihm.
Der Zustand der Rüstung war nicht besonders gut.

Die Heilerin beendete ihr Werk und wand sich dann zu mir.
„Er darf sich jetzt erst einmal nicht auf den Rücken legen oder anlehnen, sonst reißt alles wieder auf. Vorsichtig bewegen sollte aber möglich sein.“, erklärte sie mir.
Ich nickte.
„Habt Dank.“

Als es ihm wieder etwas besser ging, half ich ihm aufzustehen.
Er war auf der Suche nach dem Schmied, um seine Rüstung wieder reparieren zu lassen.
Zumindest die Nieten würde er schicherlich wieder in das Leder schlagen können.
Wotan war leider nicht vor Ort.

Doch die Kämpfe hatten aufgehört.
Ich hörte ein paar Personen von Seelensplittern reden, die gefunden wurden, doch ich verstand nicht, worum es ging.
Sie hatten vor, diese Splitter dem Geist zu geben.
Wahrscheinlich hatten sie irgendetwas richtig gemacht, denn es gab keine Kämpfe mehr.
Und Bjorn und ich wollten diesen Ort verlassen.
Ich sah in den Himmel.
„Schlafen wir in dieser Hütte und reisen morgen früh weiter?“, schlug ich vor und er stimmte zu. Kirren schloss sich uns an.

Am nächsten Morgen zogen Bjorn und ich früh wieder los. Weg von diesem Ort, weg von diesem Turm. Ich fragte mich noch immer, was es mit der Katze auf sich hatte. Wie hatte sie es geschafft, das magische Siegel zu öffnen, um den Turm zu betreten? Jeder andere, der versucht hatte, den Turm hinauf zu steigen, wurde von diesem Siegel aufgehalten.
Die Katze war etwas Besonderes.

Ich war froh, als wir endlich wieder durch die Wälder laufen konnten ohne von diesen seltsamen Gestalten angegriffen zu werden. Doch ich sah mich trotzdem ständig um.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.