Als ich zum allerersten Mal vom Hobby “LARP” gehört habe, habe ich mir recht schnell eine bestimmte Frage gestellt: Wo kommen die Charaktere her? Welche Welten gibt es im LARP? Wo kann mein Charakter herkommen?

Um herauszufinden, wo LARP Charaktere “normalerweise” herkommen, habe ich ein bisschen im Internet herumgesucht und bald die Karte der Mittellande gefunden.
Ich war total begeistert, dass sich jeder Verein und jeder Charakter dort einfinden kann und dass man damit ja eine gemeingültige Definition hätte, wo man sich gerade befindet… Mensch, wie falsch ich doch lag!

Es gibt einige Möglichkeiten, dem eigenen Charakter eine LARP Welt als Heimat zu verpassen. Natürlich hat jede dieser Möglichkeiten ihre Vor- und Nachteile. Fangen wir einfach mal bei bestehenden Welten an.

Bestehende Welten nutzen?

Wie am Anfang bereits erwähnt, gibt es eine ziemlich bekannte Kampagne aus bestehenden LARP-Welten – die Mittellande.

Bildergebnis für mittellande karte
http://www.mittellande.de/karte.html Stand 2013


Vor allem “früher” haben sich viele Spieler an dieser Kampagne orientiert und ihren Verein irgendwo innerhalb der Karte der Mittellande platziert.

Abgesehen davon nutzen viele Spieler die “reale” Welt, um ihren Charakter dort zu platzieren. Manche Wikinger-Charaktere kommen dann zum Beispiel aus Schweden oder Norwegen, manche Kriegerinnen aus Griechenland,…

Vorteile einer bestehenden Welt

1. Die Welt existiert und ist lebendig
Nutzt ein Spieler eine bestehende Welt, kann er alle Eigenschaften, Besonderheiten und Orte für seinen Charakter übernehmen. Er muss sich nichts Neues überlegen, sich nicht mit Namen oder Orten herumschlagen und kann recht schnell mit einer bereits existierenden Welt loslegen.
Außerdem sind diese Orte (vor allem bei der realen Welt) speziell und lebendig, sodass der Charakter darin glaubhaft dargestellt werden kann.

2. Andere Spieler können sich orientieren
Eine bestehende Welt ist für andere Spieler und deren Charaktere einfacher zu begreifen. Wenn beispielsweise zwei Charaktere (zufällig) den gleichen Ort oder die gleiche Region bespielen, können sie sich darüber unterhalten. Dadurch, dass die Orte schon existieren, sind auch die örtlichen Gegebenheiten bekannt und gleich.
Außerdem fühlen sich Charaktere (genau wie Spieler) schnell zu Charakteren hingezogen, die aus der gleichen Heimat kommen. Solche Ähnlichkeiten sorgen recht schnell für interessante Gespräche und Sympathie.

3. Es gibt schon eine Karte
Wenn wir für unseren Charakter eine bestehende Welt nutzen, dann hat diese Welt meist auch schon eine Karte. Das gibt uns die Möglichkeit, dem Charakter gegebenenfalls eine Karte seiner Heimat mitzugeben.
Dabei kann man dann beispielsweise einfach einen kleinen Ausschnitt einer Karte abzeichnen. Es empfiehlt sich an dieser Stelle nicht, die ganze Weltkarte / die ganze Karte der Mittellande mit sich herumzuschleppen, denn das wirkt aufgrund der jeweiligen Größe ziemlich unwahrscheinlich wenn man nicht gerade einen super-gebildeten Charakter spielt.
Trotzdem bietet allein dieser Kartenausschnitt eine gewisse Glaubwürdigkeit. Mein Hauptcharakter Anastasya wurde auch schon öfter nach ihrer Herkunft gefragt und da war ich froh, eine Karte dabei zu haben.

Welten erschaffen?

Die andere Möglichkeit, den eigenen Charakter mit einer Heimat auszustatten ist, sich eigene Ort auszudenken.
Das geht von einzelnen Dörfer über Inseln bis hin zu ganzen LARP Welten, die erschaffen werden.

Vor allem bei speziellen Charakteren, die beispielsweise magisch begabt oder eben andersartige Wesen sind bietet sich dieser Ansatz an.
Dadurch lassen sich Abnormitäten in Gestalt und Persönlichkeit besser erklären und der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Vorteile einer selbst erschaffenen Welt

1. Es gibt keine Einschränkungen
Wenn wir uns eine eigene Welt erschaffen, aus der unser LARP Charakter stammt, sind unserer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wir können wirklich alles in diese Welt einbauen.
Das gibt uns die Möglichkeit, unserem Charakter die gewünschten Merkmale zu geben und diese unter anderem durch seine Herkunft zu begründen.
Dadurch ist auch das Spielen von Fabelwesen oder Mischwesen gar kein Problem mehr und bei Fragen erzählt man den Leuten einfach von seiner Heimat.

2. Geschichten ausdenken
Bei selbst erdachten LARP Welten können wir uns allerlei lustige oder interessante Geschichten überlegen. Wir können uns Traditionen, Klima, Flora und Fauna ausdenken und damit diese Welt lebendig gestalten.
Am Lagerfeuer kann der Charakter problemlos stundenlang lustige Geschichten von Zuhause erzählen und auch im OT kann man viel Zeit damit verbringen, sich Dinge auszudenken.

Auch der Grund für die eventuelle Abreise lässt sich plausibler gestalten, da sich beispielsweise utopische Katastrophen ereignet haben könnten… Ein einfaches “ich ging auf Reisen, um XY zu lernen” tut’s in den meisten Fällen aber auch.

3. Andere Charaktere können sich “anhängen”
Wenn wir uns die Arbeit gemacht haben und eine interessante Gemeinde, Stadt oder sogar Welt erschaffen haben, können sich (befreundete) Spieler anschließen und ebenfalls einen Charakter aus diesem “Universum” spielen. Dadurch wirkt die Welt etwas realer und zu mehreren Personen lassen sich noch interessantere Geschichten spinnen.

Außerdem macht es viel mehr Spaß, anderen Charakteren von der eigenen Heimat zu erzählen wenn man eine kleine Gruppe von dort zusammen gestellt hat.

Was ist besser?

Die Frage “Was ist besser?” lässt sich natürlich pauschal nicht beantworten.

Jede dieser Varianten hat natürlich auch ihre Nachteile, die man nicht außer Acht lassen sollte.
Ein wichtiger Punkt ist auch, dass es wirklich schwierig und unübersichtlich wird, wenn sich jeder Spieler für jeden einzelnen Charakter eine eigene Welt ausdenkt.

Mir hat der Ansatz der Mittellande mit der allgegenwärtigen Karte eigentlich wirklich gut gefallen, weil es gerade bei Reisen von Con zu Taverne und zurück wirklich hilfreich ist.
Ich kann nie wirklich einschätzen, wie lange mein Charakter unterwegs sein müsste und versuche, das trotzdem immer grob auszuspielen.
Gerade die Reisen von Ort zu Ort sind ja auch etwas, was den Charakter prägt.

Wichtig ist natürlich auch zu wissen, ob die Orte der einzelnen Tavernen oder Cons über Land, Wasser oder beides zu erreichen sind. Das hat bei manchen Veranstaltungen schon zu der ein oder anderen seltsamen Situation geführt.
Blöd ist an der Stelle nur, dass es eben aufgrund der vielen selbst erschaffenen Städte, Dörfer, Kontinente und Welten keine Karte geben kann, die alles zeigt. Und ohne Karte kann man weder IT noch OT planen, wohin der eigene Charakter eigentlich reisen muss und wie lange es dauern wird.

Wege, um Welten zu erschaffen

Wenn wir uns dafür entschieden haben, eine eigene Welt zu erschaffen, gibt es mehrere Wege dafür.

Einen Weg, der ziemlich zufällig und super interessant ist, habe ich in meinem Beitrag zum Welten erwürfeln beschrieben.

Ansonsten lässt sich so eine Welt natürlich auch ganz genau planen. Das Problem dabei ist nur, dass wir uns dabei alles merken und aufschreiben müssen und die Welt dabei trotzdem noch realistisch und lebendig rüberkommen sollte.
Es ist auf jeden Fall hilfreich, sich im ersten Schritt eine Karte zu zeichnen, auf der ganz grob die wichtigsten Orte festgehalten sind.
Danach empfehle ich, sich eine Liste mit wichtigen Traditionen wie Speisen, Getränken usw. zu machen und auch kurz aufzuschreiben, was für Pflanzen dort wachsen und womit die Personen im Land ihr Geld verdienen.

Viele Kleinigkeiten sorgen am Ende dafür, dass sich eine erstellte LARP-Welt wirklich echt anfühlt.
Und aus diesem Grund ist es oftmals einfacher, sich für eine bereits bestehende Welt zu entscheiden.

Wie seht ihr das? Bespielt ihr mit euren Charakteren eine bestehende Welt oder habt ihr euch eigene LARP Welten ausgedacht? Wie seid ihr dabei vorgegangen? Lasst es mich doch in den Kommentaren wissen!


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.