Im LARP schlüpfen wir in verschiedene Rollen und erfahren so sehr viel über uns selbst.
Es bringt einige Vorteile mit sich, darunter steigert das „sich in fremde Rollen versetzen“ das Einfühlungsvermögen – Empathie wird erlernt oder vertieft.

Abgesehen davon retten wir uns durch LARP ja auch in andere Welten und bewältigen dadurch unter anderem unseren Alltagsstress. Ein netter Nebeneffekt dadurch ist, dass wir mit Hilfe des „Abstands von uns selber“ (als anderer Charakter) anders an schwierige Aufgaben herangehen können.

Aber was ist mit Angst?
Wirkt sich das Rollenspielen auch auf Ängste, Phobien und so weiter aus?

Dazu eine kurze Geschichte aus eigener Erfahrung:

Ich habe Höhenangst.
Und ja, manche werden sagen: „Hä, aber die ist doch Gleitschirmfliegerin“. Das stimmt auch. Aber auf zu hohen Leitern, Türmen, Gondeln – kurzum: allen Bauwerken habe ich tatsächlich schreckliche Angst.
Ich kann das schwer beschreiben, aber beim Fliegen steuere ich das alles und bin selbst verantwortlich… Und deswegen habe ich keine Angst.

Bei der Taverne zum Turm gibt es einen Metall-Turm (daher der Name) mit etwa 45 Metern Höhe.
Am Anfang stand für mich fest: Nie im Leben gehe ich da rauf.

Aber mit zunehmenden Besuchen der Taverne und der Erkenntnis, dass mein Charakter Anastasya definitiv keine Höhenangst hat, musste ich mir eingestehen, dass es so nicht weitergehen würde.
Ich war neugierig und hatte Angst zugleich.

Dann kam es irgendwann dazu, dass Freunde mich auf den Turm baten, um dort zu helfen und etwas zu untersuchen.
Und ehe ich OT über meine Angst nachdenken konnte, war Anastasya schon auf dem Weg hinauf.
Interessanterweise hatte ich keine Angst.
Ich war komplett in der Rolle und irgendwie war das alles kein Problem. Das Schlimmste waren dann allerdings kurze OT-Blasen zwischen SL und Spieler… Denn in diesen Momenten habe ich festgestellt, dass ich ja doch nicht Anastasya bin und die Angst kehrte zurück.
Kurze Gedanken wie „Warum machst du den Scheiß, du wirst sterben!“ und Ähnliches gingen durch meinen Kopf, doch sobald es wieder IT ins Spiel ging, war alles verflogen.

Dadurch frage ich mich nun, ob das „in eine andere Rolle schlüpfen“ wirklich bei der Angstbekämpfung helfen kann… Ganz allgemein gesehen.
Ich finde es ein wirklich interessantes Thema, vor allem, seit ich das Erlebnis selbst hatte.
Später bin ich auch mit meinem anderen Charakter – Maladi – auf den Turm gegangen. Das war kein Problem.
Generell war ich allerdings noch nie OT auf dem Turm… Immer nur im Charakter.

Ist euch Ähnliches widerfahren?
Habt ihr vielleicht auch schon Situationen erlebt, in denen ihr IT keine Angst hattet, obwohl ihr OT normalerweise Angst gehabt hättet?
Oder vielleicht etwas in der Art?
Lasst uns mal darüber sprechen!

Hat dir der Beitrag gefallen?

Durchschnittsbewertung 5 / 5. Anzahl der Bewertungen: 2

Es hat dir gefallen?

Folg mir doch auf Social Media!

Es hat dir nicht gefallen?

Hilf mir, die Inhalte zu verbessern

Gib mir doch bitte ein Feedback.


2 Kommentare

-noname- · 05.05.2020 um 05:29

Das ist ein Thema, was mich auch schon seit ich angefangen habe zu LARPen, beschäfftigt.
Ich habe eine ziemliche Macke und PTBS aus meiner Bundeswehrzeit mitgenommen, aber nachdem ich vor zwei Jahren angefangen habe Militärisches LARP zu spielen, habe ich diese Erfahrungen nutzen können, um meine Ängste und Ausbrüche zu lindern und zu überwinden.

Leo · 05.05.2020 um 10:42

Ich persönlich habe noch nicht gelarpt, kenne das aber vom Theater, besonders Impro. Alleine dadurch, dass ich wie der Charakter handeln muss, denn ich sehe es dabei als meine Aufgabe den Zuschauer zu unterhalten, verliere ich immense Teile meines eigenen eigentlichen Charakters und verliere beispielsweise meine Schüchternheit.
Ein anderes Leben zu haben, egal ob im P&P, Theater, in immersiven Videospielen oder Larp, hat nach meiner Erfahrung etwas äußerst berauschendes, da es unfassbar unnatürlich ist, man jedoch trotzdem, normalerweise, nicht die Kontrolle verliert, es erfüllt mich mit einem Gefühl von Macht über das eigene Leben. <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.