Im Dschungel von Scabb Island

»Mein Mädchen, trau keinem Piraten. Und hast du ihn auch noch so gerne.«, singe ich und bleibe mitten im Dschungel von Scabb Island stehen.

Das müsste der richtige Ort sein.

Ich knie mich nieder und greife in Richtung Boden. Rote Würmer tummeln sich dort im Schlamm.

Zum Glück ist das Licht des Mondes ziemlich stark – sonst müsste ich die Würmer wohl erfühlen.

»Denn wenn er dich grad auf die Wange küsst, schaut er schon zugleich in die Ferne.«, singe ich weiter, während ich die Würmer einsammle.
Sie kommen in einen kleinen Glasbehälter.

Ich beobachte die Würmer dabei, wie sie sich in dem Glas winden.
Auf einmal spüre ich etwas Flauschiges an mir. Ein Affe?

Etwas klettert an mir hoch – aber langsam.
Ich bleibe noch eine Weile am Boden, bis – was auch immer es war – meinen Rücken komplett erklommen hat.

Es dauert ziemlich lange.

Als es fertig ist, drehe ich den Kopf… Und blicke in zwei dunkle Augen in einem gräulichen Gesicht. Auf jeden Fall kein Affe.

Vier lange Beine. Ein kurzer Körper. Flauschiges Fell. Lange Krallen.

Ein neuer Weggefährte

Ein Faultier.

Normalerweise hängen diese Tiere doch in den Bäumen. Irgendetwas stimmt mit diesem also nicht.

Es schaut mich weiterhin an.

Ich sammle etwas Laub vom Boden und halte es ihm hin.
Es beginnt sofort zu fressen.

Irgendwie bringt es mich zum Lächeln.

»Bleibst du bei mir?«, frage ich es deshalb.
Es antwortet nicht.
Es bewegt sich aber auch nicht.
Das deute ich als ein »Ja«.

Das Faultier klettert nach vorne und klammert sich an meinem Gürtel fest.
Grinsend beobachte ich es dabei.

»Ich glaube, ich werde dich ‚Blitz‘ nennen.«, sage ich und lache über meinen eigenen Witz. »Der Name passt zu dir, Blitz.«

Blitz rührt sich nicht.

Ich verstaue das Wurm-Glas in meinem Seesack und richte mich wieder auf.

Blitz rührt sich nicht.

Was für ein entspannter Weggefährte.


Und so lernte ich Blitz, das Faultier kennen.


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