Vor allem seit den Ereignissen auf der letzten Mühle habe ich mir viele Gedanken zur Opferregel gemacht.
Wofür ist sie gut?
Wie sinnvoll ist sie?

Hier findet ihr das Ergebnis.

Worum geht es?

Allgemein besagt die sogenannte „Opferregel“, dass der Spieler selbst entscheiden darf, ob, wann und wie sein Charakter stirbt. [Zitat vom LARPWiki]

Es gibt sehr viele Meinungen, Auslegungen und Ansichten zu dieser Regel. Mit steigender Anzahl an LARP-Veranstaltungen kommt mir diese Regel auch immer öfter unter.

Deswegen hier mal ein paar Gedanken zu dieser Opferregel.

Wie soll das funktionieren?

Grundsätzlich ist das so gedacht: Der Angreifer kann das „Opfer“ zwar theoretisch mit einem Kehlenschnitt/ anderweitiger tödlicher Verletzung versehen, das heißt aber nicht, dass das „Opfer“ das dann einfach so hinnehmen muss.

Hier gibt es jetzt verschiedene Ansätze:

Option A:

Das Opfer ignoriert die Aktion des Angreifers.

Option B:

Das Opfer spielt die Konsequenz auf die Aktion des Angreifers anderweitig aus. Wenn wir beim Beispiel „Kehlenschnitt“ bleiben, dann hat der Angreifer das Opfer eben nicht sofort getötet, sondern vielleicht einfach nur schwer verletzt.


Es ist eigentlich ziemlich offensichtlich, dass „Option B“ die weitaus bessere Reaktion darstellt, nicht wahr?

Die Gründe sind klar erkennbar:

  1. Der „Opfer“-Charakter überlebt, kann mit den Konsequenzen weiterspielen und der Spieler dahinter ist nicht frustriert.
  2. Der „Angreifer“-Charakter fühlt sich nicht verarscht, weil auf seine Aktion angemessen reagiert wird.
  3. Der Spielfluss ist weiterhin logisch und erfährt nicht einen plötzlichen Abbruch durch „OT-Gründe“.
  4. Beide Charaktere bauen noch mehr Spiel auf, weil sich eine potenzielle Konflikt-Situation ergibt

„Charakterschutz“?

Von ein paar Wochen haben sich ein paar Spieler bei einer Taverne über die Opferregel lustig gemacht.
Sie diene nur dazu, den eigenen Charakter zu schützen und das sei feige.

Ich sehe das ein bisschen anders.

Ich habe kein Problem damit, wenn mein Charakter stirbt. Selbst, wenn (mein Hauptcharakter) Anastasya sterben sollte. Ich fürchte mich nicht davor.

Vor allem, weil ich weiß, dass es früher oder später so weit sein wird. Sie wird nicht ewig leben. Und das macht ja auch irgendwie den Reiz aus.

ABER:

Wenn ein Magier zu mir kommt, mich mit einem Fingerschnipp schlafen legt und mir dann die Kehle aufschneidet, finde ich es berechtigt, die Opferregel anzuwenden.

Denn allein dieser „Instant-Cast“ des Magiers war dann absolut lächerlich.

Und es gibt natürlich auch einfach Menschen, die ihren Charakter nicht sterben sehen wollen. Dann ist es doch absolut in Ordnung, einen „tödlich Verwundeten“ auszuspielen, der durch genügend Heiler irgendwie überlebt.

Das hat zusätzlich dann noch den Reiz, ein paar mehr Spieler in sein Spiel einzubinden.

Man glaubt manchmal gar nicht, wie viel Spaß es machen kann, Patient bei guten Heilern zu sein!


Abgesehen davon, sind ausgespielte Verletzungen wesentlich interessanter als eine herumliegende Leiche.
Ich selbst würde auch als Spieler niemals aktiv den Tod von einem Charakter herbeiführen, denn es macht schlicht und ergreifend keinen Spaß.

Opferregel bei anderen Situationen?

Etwas weiter gedacht greift die Opferregel nicht nur bei möglichen Charaktertoden.
Sie kann auch angewandt werden, wenn dem Spieler eine tiefgreifende Konsequenz nicht passt.

Nehmen wir einmal folgende Situation an:

  • Charakter A ist Paladin in einem streng gläubigen Orden.
  • Charakter B ist irgendein schwarzmagischer Obermagier.

Sagen wir, Charakter B will Charakter A eins auswischen und verflucht ihn mit einem Dämon.
Charakter A hat jetzt folgende Möglichkeiten:

  1. Die Verfluchung funktioniert. Dadurch hat er jetzt zwar einen Dämon, aber auch Potenzial auf sehr interessantes und konfliktreiches Spiel mit seinem Orden.
  2. Der Spieler möchte das nicht so gerne; die Verfluchung funktioniert nicht, weil…
    1. …Charakter B einen Fehler gemacht hat.
    1. …der Glaube von Charakter A so stark ist, dass der Dämon ihm nichts anhaben kann.

Ihr merkt, man kann aus eigentlich allen Situationen etwas machen, was einem selbst als Spieler angenehm ist, aber gleichzeitig auch einen interessanten Spielansatz bietet.

Fazit

Das „Opfer“ einer Aktion entscheidet, was mit seinem Charakter passiert.

Es ist wichtig, zu wissen, dass man selbst durch keine Handlung an etwas festgenagelt wird.

Wenn man als Spieler entscheidet, die ein oder andere Konsequenz so nicht ausspielen zu wollen, dann hat man immer die Möglichkeit, es nicht zu tun.
Allerdings sollte man hierbei trotzdem angemessen auf das Spielangebot des „Angreifers“ reagieren, um das Spiel nicht zu zerstören.


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