Mittelalterliche Verletzungen?
Ja, ich weiß, wir spielen im LARP meistens ein Fantasy-Setting und sind nicht historisch korrekt.
Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nicht von den tatsächlichen Verletzungen und ihren Behandlungen aus dem Mittelalter inspirieren lassen können.

Gerade im LARP nutzen wir sehr oft immer das gleiche Symptom „offene Wunde“, dabei gibt es noch einige weitere Verletzungsarten, die damals „gängig“ waren.

Für den ein oder anderen Heiler bietet dieser Beitrag vielleicht auch eine neue Idee für eine Heilungsmethode.

Generell ist aber auch wichtig zu sagen, dass es damals keine vernetzte Welt wie heute gab.
Die ganzen Errungenschaften und Erkenntnisse verschiedener Ärzte/Feldscher/Heiler machten nicht „einfach so“ die Runde und fünfzig Kilometer weiter gilt vielleicht eine andere Methode als „die Universallösung“. Auch damit kann sehr gut gespielt werden, nämlich, indem verschiedene Heiler oder Ärzte auch verschiedene Ansichten vertreten.

Hier aber nun erstmal gängige mittelalterliche Verletzungen bei der Schlacht und die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten für Feldscher:

Pfeile (herausziehen)

Beim Herausziehen von Pfeilen gab es im Mittelalter eine Abfolge von drei Schritten, an die sich der behandelnde Arzt auf dem Schlachtfeld gehalten hat:

  1. Untersuchen
    Wo liegt der Pfeil und in welchem Winkel schaut er aus der Wunde heraus? Ist der Pfeil vergiftet? Wurde die Wunde von Dreck oder Teilen des Pfeils eventuell verschmutzt?
  2. Entfernen
    Der Pfeil wurde anschließend so vorsichtig und rasch wie möglich herausgezogen.
  3. Blutung stoppen
    Die entstandene offene Wunde wurde so versorgt, dass die Blutung schnell aufhört.

Normalerweise waren Pfeile, die gegen ganze Armeen genutzt wurden nicht mit Widerhaken ausgestattet, sondern eher schmal, um Kettenhemden durchdringen zu können.
Dadurch waren zwar die entstehenden Wunden kleiner, aber die Pfeile konnten sich besser in Knochen bohren, sodass das Herausziehen schwieriger wurde.

Waren die Pfeile mit Widerhaken ausgestattet, so war das Herausziehen schwieriger. Die Ärzte sind meist dazu übergegangen, die Wunde zu reinigen und somit das Gewebe weicher zu machen, um den Pfeil einfacher herauszubekommen.

Eine solche Behandlung war auf dem Schlachtfeld aus Zeitgründen natürlich schwieriger und somit wurde der betroffene Patient meist zur Behandlung zum Lager-Lazarett gebracht. Dies war natürlich aus Zeit-Gründen nicht immer möglich.

Schwert- und Messerwunden

Schwert- und Messerwunden sind erfahrungsgemäß die Wunden, die beim LARP am häufigsten ausgespielt werden.

Auch im Mittelalter kam es oft zu Wunden durch Schwerter, Dolche und Messer.
Bei kleinen und mittelgroßen Wunden, die nicht allzu tief waren, wurde zu Nadel und Faden gegriffen. Nach erfolgreichem Zunähen der Wunde folgte noch ein Verband – so konnte die Verletzung heilen.

Waren die Wunden allerdings zu groß und/oder zu tief, musste das betroffene Körperteil amputiert werden.
Das klingt für uns total brutal und „übertrieben“, aber damals ging es vor allem darum, das Leben des Patienten zu retten und ihn vor unnötigen Schmerzen zu bewahren.

Ablauf einer Amputation

Generell hat ein geübter Arzt weniger als eine Minute gebraucht, um das verletzte Körperteil (Arm/Bein) abzutrennen. Nach weiteren drei bis vier Minuten war auch die Blutung komplett gestoppt.

Das Körperteil des Patienten wurde meist zunächst auf einen Holzblock gelegt und mit Bändern befestigt.
Dann wurde erst das weiche Gewebe zerschnitten, bis der Knochen sichtbar wurde. Der sichtbare Knochen konnte dann zersägt werden.
Der Stumpf musste dann verbunden werden und konnte verheilen.

Um die Wunde schneller verheilen zu lassen, wurden allerlei Methoden angewandt und ausprobiert. So wurde die Wunde zum Beispiel mit Schmalz, Spinnweben, Schalentieren oder sogar Terpentin bedeckt.

Knochenbrüche

Neben den typischen offenen Wunden durch Schwerter und Dolche kommt es durch Wuchtwaffen wie Hämmer oder große Äxte eher zu Knochenbrüchen.
Ein Ausspielen dieser Verletzungen sehe ich im LARP leider noch viel zu selten, dabei ist es eigentlich total interessant.

Zuerst musste der Arzt den Knochenbruch lokalisieren. Gewisse Vorkenntnisse zur menschlichen Anatomie sind von Vorteil um herauszufinden, wie der Knochen sich normalerweise anfühlen sollte.

Anatomie - Verletzungen
Von Acquapendente, Girolamo Fabrizi : d‘ – Verfügbar in der digitalen Bibliothek BEIC und hochgeladen in Partnerschaft., Gemeinfrei, Link

Dann wurde der Knochen wieder in seine ursprüngliche Position gebracht und mit Hilfe einer Schiene oder einer Vorstufe von Gips unbeweglich gemacht.

Diese Vorstufe von Gips bestand aus Mehl und Eiweiß.

Dadurch, dass sich der betroffene Knochen durch eine der beiden Methoden nicht mehr bewegt hat, konnte er wieder zusammenwachsen und die Wunde konnte heilen.

Verbrennungen

Auch in den No-Fantasy Zeiten ohne Feuerball und Co. kam es zu Verbrennungen durch Brandpfeile, brennendes Öl und heißes Wasser.

Die Ärzte haben versucht, Brandblasen zu verhindern. Dementsprechend wurden die Brandverletzungen mit Salben aus Essig, Eiern, Rosenöl, Opium und/oder verschiedenen Kräutern behandelt.


Wie ihr seht gab es schon im Mittelalter verschiedene Ansätze zur Behandlung von Verletzungen. Die Wissenschaft war zwar bei Weitem noch nicht so weit entwickelt wie heutzutage, aber dennoch haben sich die Ärzte Mühe gegeben.

Vielleicht bietet dieser Beitrag dem ein oder anderen Spieler oder NSC ja Inspiration zum Ausspielen… Ist natürlich beidseitig anwendbar – als Heiler oder auch als Verwundeter. 😉

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