Lange Zeit war es dunkel. Es erinnerte mich an meine Heimat in Scabb Island… Dort hat sie mich gerettet…

Ich tapse aus ihrem Seesack heraus und werde geblendet. Es stört mich und ich kneife die Augen zusammen.
Obwohl wir schon seit einigen Tagen hier sind, habe ich mich noch nicht daran gewöhnt… Vor allem nicht, weil dieses blendende Ding irgendwann verschwindet und dann wieder auftaucht – das verstehe ich einfach nicht.

Über den Boden zu laufen fällt mir immer noch schwer, aber irgendwie liegt meine Bewahrerin dort und ich möchte schauen, warum.
Ich weiß, dass sie am Tag vorher sehr viel aus dieser Flasche getrunken hat… Nein, sogar aus mehreren Flaschen.
Dann ist es normal, dass sie eine Weile liegt. Aber das war sonst immer auf einem Schiff oder in einem Bett, nicht im Wald. Sie mag die Wälder nicht gerne, das weiß ich.
In meiner Heimat – dem Dschungel – war sie auch nur, weil sie etwas gesucht hat.
Nicht mich, versteht sich, aber sie hat mich gefunden und mitgenommen. Ja, sie hat mich gerettet!
Es ist nicht schlimm, dass sie so lange schläft, denn hier gibt es genug Laub. Ich esse erstmal.

Lecker. Mir schmeckt das Laub sehr gut. Besser als in meiner Heimat, das muss ich zugeben.
Aber meine Erretterin ist noch nicht wach.
Ich tapse einmal über ihr Gesicht.
Sie wird davon nicht wach – wird sie eigentlich nie. Das ist in Ordnung. Ich esse weiter Laub. Es schmeckt wirklich gut, warum also auch nicht?

Das blendende Ding verschwindet. Ich bin froh, dass es jetzt wieder so ist wie in der Heimat… Zumindest für einen kurzen Moment.

Komisch ist nur, dass es kälter wird, wenn das blendende Ding verschwindet.
Ich kuschle mich in den Mantel meiner Bewahrerin. Da ist es schön warm und ich höre, wie sie atmet. Warum wird sie denn nicht wach?

Das blendende Ding taucht auf und verschwindet wieder. Das ist jetzt schon mehrere Male passiert.
Zum Glück gibt es noch genug Laub und Gras, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch kälter wird.
Es ist manchmal sogar kalt wenn das blendende Ding am Himmel ist.
Das verstehe ich nicht und kuschle mich noch häufiger in den Mantel meiner Retterin.
Sie schläft noch immer ruhig.

Ich esse weiter Laub, aber irgendwie ist alles nicht mehr grün, sondern eher rot wie der Mantel meiner Erretterin. Manche Blätter werden auch braun oder gelb… Ob sie krank sind?
Sie schmecken nicht mehr so saftig, aber ich werde davon satt… Immerhin.

Es sind viele Leute durch den Wald oder auf den Wegen umhergelaufen, denn ich habe sie gehört und manche von ihnen sogar gesehen. Zum Glück haben sie mich und meine Bewahrerin nicht entdeckt.

Die Luft wird immer kälter. Vor allem, wenn das blendende Ding verschwindet.
Ich kuschle mich in den Mantel meiner Erretterin, ganz nah an ihren Körper, weil es da warm ist. Meist bleibe ich so lange dort bis das blendende Ding wieder auftaucht.
Dafür, dass es mich am Anfang sehr gestört hat, bin ich jetzt froh, dass dieses blendende Ding ab und zu da ist.

Warum schläft meine Erretterin so lange?
Vielleicht ist sie nur sehr müde? Manchmal geht mir das auch so. Ich schlafe bestimmt schneller als sie. Das kann sein.
Immerhin hat sie mich „Blitz“ genannt.
Das heißt doch, dass ich schnell bin, oder?

Ich glaube, dass das blendende Ding nun immer kürzer da ist.
Es ist noch kälter geworden und es gibt nur noch wenig Laub. Ich verstehe nicht, wo es hingekommen ist.
Selbst auf den Bäumen sind keine Blätter mehr.
Einmal habe ich mir die Mühe gemacht, hinaufzuklettern, nur um festzustellen, dass sie völlig leer sind.
Ich bin dann ganz schnell wieder runter geklettert, denn da oben ist es noch viel kälter!

Meine Bewahrerin ist zum Glück immer noch sehr warm.
In ihrem Mantel ist es gemütlich… Da kann ich es aushalten.

Ich verstehe nicht, warum da weiße Dinge auf uns herabfallen. Sie sind kalt und ich wollte danach greifen, doch sie fallen so schnell.
Jedes Mal, wenn sie mich treffen, sind sie wieder verschwunden.
Ist das irgendwas Gefährliches?
Sie sind kalt… Das habe ich verstanden.

Jetzt muss ich auf dem Boden nach Laub und Gras suchen. Das Problem hatte ich noch nie.
Im Seesack meiner Erretterin ist leider auch nichts mehr… Das Essen ist verdorben. Warum liegt sie immer noch da?

Die Kälte kommt von oben und von der Seite. Ich kann mich kaum davor schützen.
Also sammle ich etwas Gras und Laub und nehme es mit in den Mantel zu meiner Bewahrerin, die zum Glück immer noch sehr warm ist.
Was war nur in den Flaschen, die sie geleert hat?

Ich verlasse den Mantel meiner Bewahrerin nun nur, wenn das blendende Ding da ist.
Es verschwindet so schnell, dass ich es fast gar nicht schaffe, mir ausreichend Blätter und Gräser mitzunehmen.
Ich hoffe, dass sie aufwacht.

Das blendende Ding ist wieder da.
Ich merke, dass die Kälte nicht mehr von oben kommt, sondern nur noch von der Seite.
Irgendetwas hat sich verändert.
Ich esse ein paar Blätter und Gräser und kuschle mich wieder ein.

Auf dem Boden wächst neues Gras. Ganz klein, aber es ist da.
Der Boden fühlt sich besser an. Irgendwie wirkt es fast wärmer.
Oder habe ich mich einfach nur daran gewöhnt?

Ein paar Mal taucht das blendende Ding wieder auf und verschwindet, taucht auf und verschwindet…
Es wird nun sogar wieder von oben warm.
Ich kuschle mich an meine Bewahrerin…
Und auf einmal zuckt sie und regt sich…

Dann schlägt sie ihre Augen auf und ich bin der glücklichste Blitz auf dieser Insel.


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