Beim letzten Mal habe ich das Thema schon etwas angeschnitten: Die Routine im LARP.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht und deshalb gibt es nun einen weiteren Teil „LARP-Monolog“ darüber.


Wenn ich über die verschiedenen Veranstaltungen nachdenke, die ich in den paar Jahren LARP-Erfahrung besucht habe, fällt mir viel über Routine auf.
Dazu mal eine kurze Geschichte:

Meine erste LARP-Veranstaltung (eine Taverne) war total aufregend für mich. Ich kam an, traf auf all die „verkleideten“ Menschen und tauchte total schnell ein. Für mich fühlte sich alles so real an und ich wusste gar nicht so recht, was jetzt alles passieren könnte.
Es war eher so, als wäre jetzt schlicht und ergreifend ALLES möglich.

Dadurch, dass ich keinerlei Erfahrung in dem Hobby hatte, wusste ich ja auch nicht, wo die Grenzen liegen. Ich kannte auch das Gelände nicht, wusste nicht, ob es Feinde gab und was überhaupt alles möglich war.
Dann kam der erste Angriff und die Werwölfe schauten von oben (das Gelände ist ein alter Steinbruch) in das Dorf herunter.
Ich war sofort total drin und hatte einfach großen Respekt vor „was-auch-immer“ sich dort befand.

Der Charakter meiner Schwester wurde schließlich sogar von den Werwölfen entführt und für mich war das alles natürlich höchst bedrohlich. Es war ein Moment im kompletten IT, weil ich einfach nicht wusste, welche Grenzen es gab.
Dann kam noch ein Gespräch mit einem wichtigen Lord dazu. Ich sollte mit ihm über einen Knochen sprechen, den ich gefunden hatte… Niemand kann sich vorstellen, wie verdammt nervös ich war. Ohhh je. Mit einem Lord sprechen, der ist wichtig, ohh was mach ich nur…

Lange Rede, kurzer Sinn: Mit zunehmender Erfahrung versinken solche Erlebnisse irgendwie in der Routine.
Kämpfe kommen, man kämpft, man wird verletzt, man wird geheilt… Dazu kommt, dass viel zu oft gegen „Superbösewicht XY, der ansonsten die Welt zerstört“ gekämpft wird. Das ist in den ersten fünf Fällen vielleicht noch ganz cool und aufregend, aber irgendwann denkt man nur „ach, schon wieder ein Superbösewicht, der die Welt zerstören will“.
Es ist zwar vielleicht immer noch eine richtig gute Idee, aber die Häufung dieser Ideen macht das dann leider kaputt.

Auch in Videospielen empfinde ich die Rolle als ‚der Held’™ nicht besonders reizvoll, weil es irgendwie unglaubwürdig wirkt.
Gutes Gegenbeispiel dafür: For the king.
Über das Spiel hab ich ja auch schon im Beitrag über „LARP Alternativen“ geredet und ich finde das Konzept des Spiels wirklich großartig.
Als Abenteurergruppe nimmst du eine „Quest“ an und die jeweiligen Personen sagen einfach nur so etwas wie „Ach, ihr wollt das auch versuchen? Na ja, die Letzten von euch sind gestorben. Aber gut, versucht ruhig euer Glück.“
Und im Verlaufe der Geschichte (wenn es positiv verläuft) geben sie dann einen Kommentar ab wie „Ach, ihr scheint ja doch etwas besser zu sein als die letzten dahergelaufenen Trottel“.

Was mir daran gefällt ist schlicht und ergreifend, dass es realistischer ist. Ja, ich weiß, das Thema hatten wir schon und darauf möchte ich jetzt auch nicht wieder eingehen. Ich möchte nur sagen, dass wir vielleicht ein bisschen über diese Routine nachdenken müssen. Klar, wenn wir nach der Quarantäne wieder auf LARP gehen, wird es sicher erstmal wieder total ergreifend und beeindruckend für uns sein, nur mit zunehmenden „ähnlichen“ Bedrohungen wird es wohl bald wieder Routine.

Was man da machen könnte? Zugegeben: Ich habe keine Ahnung. Aber vielleicht hilft es ja schon, wenn wir uns diese Problematik klar machen. Vielleicht ist es am Ende auch gar kein so großes Problem, aber ich finde schade, dass ein guter Plot mit zunehmender Zeit irgendwie weniger gewürdigt wird.

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