Nach dem ersten Artikel der “Heiler im LARP” – Reihe kommen wir nun zu einem Artikel über das Heilerspiel an sich.
Der Artikel richtet sich nicht nur an Heiler aller Art, sondern auch an die Kämpfer, Krieger, Söldner und weitere, die die Hilfe der Heiler in Anspruch nehmen (oder auch nicht).

Unterschätzte Heilkunst

Heiler im LARP sind wichtig. So viel steht fest.
Das ist jedem LARPer spätestens dann klar, wenn er nach einem Kampf halb verblutend am Boden herumkriecht.

Und trotzdem ist der Heiler – allen voran der „konventionelle“ Heiler – eine viel zu unterschätzte Rolle im LARP.

Heilerfrust

Fangen wir also an, uns den LARP-Alltag eines konventionellen Heilers anzuschauen.
Für eine gute Darstellung nimmt er natürlich allerlei Kram mit.

Abgesehen davon, dass sich der Heiler auch OT vor und nach den Veranstaltungen um seine Ausrüstung kümmern muss (neue Verbände schneiden, Verbände gegebenenfalls waschen, Werkzeuge von Kunstblut reinigen,…), schleppt er im Optimal-Fall auch auf den Veranstaltungen viel Ausrüstungmit sich herum.

Er kommt also wie ein bepackter Esel an, lädt seine Sachen an einem sicheren Ort ab und kann dort ein kleines Lazarett aufbauen – so weit, so gut.

Auf einer mehrtägigen Con ist ziemlich sicher, dass der Heiler hier den ein oder anderen Patienten zum Versorgen bekommt.
Auf Tavernen hingegen ist das eher schwierig – auf manchen wird nämlich gar nicht gekämpft und im Voraus ist das schwer einzuschätzen.

Der Heiler lebt also quasi vom Ausspielen der Verletzten.
Wenn die Kämpfer eine Verletzung gut darstellen, dann ist der Heiler glücklich und kann sich austoben.

Er läuft also glücklich zum Schlachtfeld, um die Patienten einzusammeln, doch… Was ist das?
Ein Magier hechtet ebenfalls in Richtung Schlachtfeld.
Der Heiler – vollbepackt mit Erste-Hilfe Ausrüstung – kommt als Zweiter an.

Und der Magier legt seine Hand auf die Wunde – Zack, geheilt.

Der Heiler zieht sich frustriert zurück und wartet auf seine nächste Chance.

Und das, ihr Lieben, bezeichnet man gemeinhin als Heilerfrust (auf LarpWiki noch ein bisschen detaillierter beschrieben).

Konventionell vs. Magisch

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen magische Heilung.
Ich heile selbst mit meinem Charakter Anastasya ab und zu magisch (mit Runen).

Runen mit UV Farbe

Aber wenn ich sehe, dass auf der Veranstaltung vollbepackte Heiler sind, dann überlasse ich ihnen lieber die Arbeit.
Denn ich kann immer noch so Dinge tun wie kämpfen, magisch analysieren und so weiter.
Das kann der Heiler nicht (wenn er ausschließlich Heiler ist).
Außerdem schaue ich auch gerne beim konventionellen heilen zu. Ist irgendwie immer noch schöner als die magische Heilungs-Darstellung.

Es gibt wirklich einige Magier, deren magisches Heilerspiel ich super finde, aber leider machen es sich viele zu einfach. Sie „sind magisch“ und deswegen geht das „einfach so“. Und das finde ich sehr schade.
Dabei bietet magisches Heilerspiel eigentlich ebenso viel Potenzial wie konventionelles Heilerspiel.
Tipps zur Magie-Darstellung gibt es übrigens hier.

Ich sehe auch ein, dass akute oder komplizierte Verletzungen ab und zu magische Hilfe benötigen.
Darunter zählen beispielsweise Stiche ins Herz, Stiche in die Lunge, abgetrennte Gliedmaßen und Ähnliches.

Aber was spricht eigentlich dagegen, zu zweit oder dritt die Verletzten zu versorgen?

Warum nicht zusammen?

Auch, wenn viele Heiler von den „magischen Instant-Heilungen“ genervt sind, ist hier mein Appell: Versucht es mal gemeinsam.

Es macht einen ungemeinen Reiz aus, das Heilerspiel gemeinsam zu betreiben.
Und da es gerade im LARP ja um das Miteinander geht, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Also, wenn ihr konventionelle Heiler spielt und seht, dass Magier vor Ort sind, dann ruft sie zu euch. Lasst sie beispielsweise die Schmerzen des Patienten lindern oder wie Verletzung kühlen.
Kümmert euch dann selbst um das Auswaschen, Nähen, Richten, Verbinden usw.
Behaltet den Magier bei euch und bittet ihn, den Kühl- oder Linderungs-Zauber ab und zu aufzufrischen oder aufrecht zu erhalten.

Und wenn ihr Magier seid, dann schaut doch bitte, dass ihr die konventionellen Heiler in euer Spiel einbezieht.
Lasst sie das „handwerkliche“ machen und unterstützt sie einfach dabei.
Und wenn es kritisch wird und wirklich ernste Verletzungen dabei sind, dann übernehmt diese.
Gemeinsam Verletzte zu behandeln, schweißt auf jeden Fall zusammen.
Das habe ich vor allem auf der Silverstercon „Season of the witch“ gelernt.

Und selbst wenn ihr mehrere konventionelle Heiler seht und selbst einer seid, dann teilt euch die Aufgaben doch auf.
Einer wäscht aus, einer näht, einer verbindet.
Leider sehen sich Heiler gegenseitig oft als Konkurrenten, was natürlich Quatsch ist.

Dem Krieger ist es egal, wer oder wie viele ihn verarzten. Er ist am Ende einfach nur froh, wenn er überleben durfte.

Ausspielen? Fehlanzeige!

Leider scheint es im Trend zu sein, die erlittenen Verletzungen nicht auszuspielen.
Darunter leiden die Heiler im LARP enorm.

Denn wenn es schon Kämpfe gibt, bei denen die Kämpfer-Charaktere auf ihre Kosten kommen, dann sollen doch auch die Heiler etwas zu tun haben, oder?

Ab und zu frage ich mich, ob die Spieler glauben, dass Heilerspiel „langweilig“ sei.
Darf ich etwas verraten? Ist es nicht!
Und wenn doch, dann wart ihr bisher nur bei extrem langweiligen Heilern.

Das Ausspielen von Verletzungen ist wichtig, macht Spaß und bereitet den Heilern im LARP eine große Freude.
Außerdem ist es auch für die eigene Charakter-Entwicklung wichtig, mal am Boden zu liegen und festzustellen, dass man nicht unbesiegbar ist.

Die Heiler geben sich ja auch alle Mühe, euch schnell wieder zusammenzuflicken, damit ihr weiter kämpfen könnt.

Und selbst wenn ihr nicht verletzt werdet, könnt ihr die Heiler unterstützen, indem ihr sie bei einem Kampf beschützt. Die meisten Heiler können und wollen eben nicht so gut kämpfen wie ihr. Da benötigen sie eure Hilfe!

Und abgesehen davon:  Man kann auch mal mit Juckreiz, Ausschlag, Kopfschmerzen oder Ähnlichem zu Heilern gehen. Es muss nicht immer der aufgeschnittene Bauch sein.

Zusammenfassend

Im Endeffekt ist LARP ein Gemeinschafts-Hobby.
Man spielt zusammen, man gewinnt zusammen, man verliert zusammen.
Und genauso leidet man auch zusammen.
Ich mag diese Heiler-Gruppen im LARP, die sich spezialisiert haben. Das Heilerspiel ist super.
Der eine kann das besser, der andere das.
Absolut kein „Konkurrenz-Verhalten“, sondern ein Miteinander. Und das finde ich immer viel schöner. Wenn die Heiler wirklich zusammen arbeiten.

Also an alle Heiler, die bisher „einsame Wölfe“ gespielt haben: Gebt euch einen Ruck!
Magier können auch mit Nicht-Magiern zusammen heilen und umgekehrt.
Es bietet dann für Heiler und Patienten enorm viel Spielspaß.

Und wenn ihr ein verletzter Krieger seid, dann spielt doch bitte aus. Es wird euch Spaß machen und es freut die Heiler gleichermaßen.
Ihr könnt euch früh genug wieder in den Kampf stürzen, glaubt mir!

In welche Ausbildungs-Stufen sich Heiler einteilen lassen und welche Fähigkeiten sie dann im Groben haben, könnt ihr übrigens in meinem nächsten Artikel zur Heiler Reihe nachlesen.


1 Kommentar

Über Ko-Fi und Zufallsfunde · 28.04.2019 um 10:11

[…] Über Heilerspiel im LARP […]

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