Tahn und ich reisen weiter und übernachten oft in Tavernen, obwohl es draußen schon recht warm ist. Es ist ihm lieber und ich berücksichtige seinen Wunsch.

Und sobald Tahn einschläft, mache ich mir Sorgen um ihn. Was ist nur mit ihm los? Ich kenne ihn nicht lange genug, um das zu wissen… Vielleicht war das auch schon immer so? Aber das kann ich mir nicht vorstellen.

Ich beobachte ihn eine Weile, aber ich kann ihm nicht helfen. Einfach, weil ich keine Entscheidung treffen kann. Ich weiß nicht, was ich ihm sagen soll, deswegen habe ich nichts gesagt. Aber ich kann die Dinge von dieser seltsamen Burg einfach nicht vergessen. Tahn hingegen schon. Und genau das ist ja das Problem.

Aber irgendetwas muss ich doch tun können.
Seufzend hole ich das Runenbuch heraus.
Von Odin habe ich bisher nicht viel erfahren. Ich weiß nur, dass ich mich um Tahn kümmern soll… Aber wie genau, das hat er nicht gesagt.
Ich dachte immer, ich solle ihn zu seiner Frau und seiner Tochter bringen. Das kann aber einfach nicht die Aufgabe sein.

Ich blättere durch die Seiten des Buches. Ich habe so wenig geschafft in all der Zeit. Irgendwie enttäuschend. Aber auch jetzt kann ich mich nicht darauf konzentrieren. Ich ziehe die Kerze näher zu mir und hole ein paar Zettel heraus. Ja. Irgendetwas muss ich tun.
Vielleicht kann mir Jemand helfen.

Ich habe meine Freunde lange nicht mehr getroffen, sondern fast nur Fremde. Fremden werde ich das nicht anvertrauen, so viel steht fest!
Aber ich kenne die Heimat einiger meiner Freunde… Vielleicht können sie mir so helfen?

Ich atme tief ein und aus, werfe noch einen Blick zu Tahn und nicke dann entschlossen. Ja. Das muss ich tun!
Der Wirt kennt bestimmt einen Boten oder sogar Jemanden mit Tauben. Dann wird die Nachricht bestimmt irgendwann ankommen.

Ich überlege, wem ich schreiben kann und kann nur hoffen, dass die Leute wirklich Zuhause in ihrer Heimat sind… Ansonsten wird sie mein Brief wohl nicht erreichen.

Ich nutze diese Nacht für den ersten Brief. Es fällt mir schwer, mich auszudrücken und irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob es das richtige ist.
Und da ich nicht weiß, ob ein anderer diesen Brief lesen wird, schreibe ich nichts vom eigentlichen Problem. Wieder beobachte ich Tahn beim Schlafen. Ja. Ich muss es tun. Ich brauche ihre Hilfe und ich hoffe, dass sie eine Meinung dazu haben.
„Soll ich es ihm sagen?“
Das ist eigentlich genau die Frage, die so auf meiner Seele brennt.

Ich weiß auch noch nicht genau, ob sie mir antworten werden, aber ich werde zwischendurch mit Tahn nach Falkenhain reisen, um dort nachzusehen. Vielleicht sind die Briefe dann zu meinen Eltern gekommen. Außerdem sind wir dort in Sicherheit… Und dort sind noch immer Äpfel im Schnee vergraben.

Ich lese meine Worte noch einmal durch und hole tief Luft. Dann stehe ich möglichst leise auf und lege den ersten Brief auf den Tresen des Tavernenwirts. Er schaut mich verwirrt an.
„Bitte… Brief muss zu diesem Mann.“, sage ich und halte ihm ein Kupferstück hin.
Der Mann zögert, nickt dann aber.

Ich kehre leise zurück zu Tahn und überlege, wem ich noch schreiben könnte. Wer könnte mir noch helfen?
Auf wessen Meinung kann ich vertrauen und von wem weiß ich, dass er momentan in seiner Heimat ist.
Leider kenne ich von vielen meiner Freunde nicht einmal den Heimatort. Dann wird der Brief sie kaum erreichen.

Während ich darüber nachdenke, fällt mir noch Jemand ein, dem ich schreiben sollte. Ich hole also noch einen Zettel.

So verbrachte ich ein paar schlaflose Nächte, indem ich Briefe schrieb.
Seltsamerweise konnte ich nach ein oder zwei Briefen viel besser einschlafen. Auch die Träume wurden dann erträglicher.
Ich hoffe, dass ich Tahn mit Hilfe meiner Freunde irgendwie helfen kann…

Hat dir der Beitrag gefallen?

Durchschnittsbewertung 5 / 5. Anzahl der Bewertungen: 2

Es hat dir gefallen?

Folg mir doch auf Social Media!

Es hat dir nicht gefallen?

Hilf mir, die Inhalte zu verbessern

Gib mir doch bitte ein Feedback.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.