Im letzten Beitrag “Schall und Rauch – Alchemie im LARP” bin ich auf die Geschichte und das allgemeine Darstellen von Alchemisten eingegangen.

Dabei ist es natürlich auch super interessant zu erfahren, wie es für Alchemisten im “normalen” LARP-Alltag so ist.

Dazu hat die liebe Malin (Feo) mir einen sehr schönen Text geschrieben, den ich hier ganz gerne veröffentlichen würde.
Somit ist dieser Beitrag nur indirekt von mir, direkt aber eigentlich von Malin. Danke an dieser Stelle nochmal für den ausführlichen Bericht!

Alchemisten im Alltag

Regeln?

Die meisten Alchemisten spielen nach Dragonsys 2. In diesem Regelwerk gibt es keine wirklichen Regeln für Alchemie, deswegen hat nahezu jeder Alchemist sein eigenes Regelwerk zusammengestellt.
Die meisten halten sich dabei aber weitestgehend an die Punkte vom Magieregelwerk.

Daraus ergibt sich, dass jeder Alchemist so ausspielt, wie er OT an Komponenten herankommt. Wenn man beruflich Chemiker ist, hat man da natürlich Vorteile.

“Natürliche” Feinde

Die größten Feinde des Alchemisten sind andere Alchemisten, weil es bei eine Zusammentreffen immer auf einen Schwanzvergleich hinausläuft.
Und dann steht man da, schaut sich das glitzernde Laborglas des Gegenüber an und beneidet ihn, wenn er einem sein Kräuterwissen (mit perfektem lateinischen Sprachgebrauch) um die Ohren haut und dabei spielerisch verschiedene Pyroeffekte zündet und mit Trockeneis hantiert.

Währenddessen schaut man verschämt auf das zweckentfremdete Edelstahl-Schokofondue, in dem die Kräuterteemischung “Omas Obstgarten” brodelt… Oder besser: Brodeln sollte.
Warum wir die Scheiße nicht heiß? Und warum ist schon wieder dieses doofe Teelicht aus?

Ist auch egal, mittlerweile sind zwanzig Minuten um und die Brauzeit für einen einfachen Heiltrank sind nur zehn Minuten.
Jetzt den Kram wegschütten, ein Fläschchen mit Wasser und Lebensmittelfarbe füllen und irgendwann kommt ja auch der Typ wieder, der den Trank bestellt hat.
Also heißt es warten… Gut, er kommt… Und ist nicht einmal bereit, drei Kupfer für einen Heiltrank zu zahlen.
Dabei hat allein das Fläschchen schon OT einen knappen Euro gekostet… SUPER.

Alchemisten vs Magier

Man sollte natürlich nie unterschätzen, dass Alchemisten Magiern in nichts nachstehen. Im Gegenteil, sie sind sogar besser dran, weil sie keinen Manapool haben, sondern einfach so viel brauen können wie sie wollen (und sofern es ihr Kräuterwissen nicht überschreitet).
Und selbst wenn der Trank mal zu stark werden sollte, hat das nicht so katastrophale Nebenwirkungen wie bei Magiern.

Der Nachteil ist, dass das Brauen wesentlich länger dauert.
Da kann es mal vorkommen, dass man zwei Stunden braut und kurz bevor man fertig ist hört man, dass Magier XY zum Held des Abends wurde, weil er es im Alleingang gelöst hat.
Das frustriert wahnsinnig.

Da kann man sich nur noch das Rezept bestätigen lassen, damit es beim nächsten Mal schneller geht.

Ambiente

Alchemisten sind auf jeder Taverne und auf jedem Con (abgesehen von Wandercons) gerne gesehen, weil sie sehr zum Ambiente beitragen.

Das sollte man aber vorher natürlich immer mit der Orga absprechen, damit sie einen Tisch freihalten, an dem man sich breitmachen kann.
Oder man bringt sich alternativ eigenes Mobiliar mit.
Der Kram, den man über die Jahre zusammensammelt ist keineswegs zu unterschätzen.

IT-Spiel und Sonstiges

Alchemist ist der beste Beruf für ängstliche Charaktere.
Außerdem hat jeder Alchemist immer dieses unbeschriftete Fläschchen, in dem bei jeder Con was anderes drin ist. Je nachdem, was gerade gebraucht wird.

“Ich hab mir bei Batras den Scherz erlaubt und es beschriftet. Es heißt JIB-Blatt. Jack-Inder-Bocksblatt. Die Wirkung: Negiert ungewünschte Effekte, verstärkt positive Effekte, kombinierbar mit allem, Substitut für jegliche Ingredienz, äußerlich und innerlich anwendbar. Wirkung: 1-3 völlig unsinnige und gerade erdachte Effekte.”

Es ist schon komisch, dass jeglicher Alchemist immer alles machen kann, weil er gerade zufällig (unter seinen neun Zutaten) genau das hat, was gebraucht wird. IMMER.

Was das IT-Spiel angeht, geht es den Leuten nie schnell genug und kaum jemand ist bereit adäquate Preise zu zahlen, weil sie es OT nicht brauchen können.
Es birgt sehr viel Frustrationspotenzial, aber auch genau so viel Potenzial für “Power-Play”.

“Außerdem scheinen die Spielleiter, bei denen wir so spielen, bei Alchemisten wesentlich mehr auf Ausspielen und Regelwerk achten als bei Magiern.”


An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Malin, die hier so ausführlich über den Alltag eines Alchemisten im LARP berichtet hat.
Ich finde es super interessant und kann ihr in allen Punkten zustimmen, obwohl ich selbst nur ganz wenig eigene Alchemisten-Erfahrung (Maladi) habe.


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